INSPIRATION: Das Ergebnis zählt, nicht die Arbeitszeit, liest man immer dann, wenn gerade mal wieder Unternehmen ihren Mitarbeitern freistellen, wann, wo und wie lange sie arbeiten. Nun lesen wir von Firmen, die die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter deutlich reduzieren, aber die gleiche Leistung erwarten.
Die Idee ist, dass niemand wirklich acht Stunden am Tag durcharbeitet. Wir haben ständig Unterbrechungen, Wartezeiten, kleine Ablenkungen, Plaudereien am Arbeitsplatz, die zudem noch dazu führen, dass es immer wieder eine Weile dauert, bis wir wieder produktiv sind. Mehr noch: Bei einer Wochenarbeitszeit von bis zu 60 Stunden stagniert die Arbeitsleistung (im Gegensatz von einer Zeit zwischen 30 und 50 Stunden), ab 65 Stunden ist die Leistung sogar rückläufig (Länger arbeiten braucht kein Mensch).
Gelänge es, die am Arbeitsplatz verbrachte Zeit deutlich effizienter zu nutzen – warum sollte man dann nicht das gleiche Pensum in fünf statt in acht Stunden schaffen? Unternehmen wie die Agentur Rheingans Digital Enablers oder Tower (ein Hersteller von Paddle Boards) experimentieren mit solchen Modellen. Bis jetzt scheinen sie gute Erfahrungen damit zu machen (Kann weniger mehr bringen?).
Missverständnisse
Wobei sie aber nicht einfach nur sagen: „Es geht los um 8 Uhr, um 13.00 Uhr ist für alle Feierabend.“ Sie sorgen dafür, dass die Meetings kürzer und effizienter ablaufen, dass nicht ständig E-Mails und Textnachrichten abgerufen werden und dass es komplette Phasen für ruhiges Arbeiten gibt, in denen auch die Kollegen nicht gestört werden sollen.
Vielleicht muss man einmal mit ein paar Missverständnissen aufräumen. Ich erinnere mich an Zeiten, in denen die einen (Tarifmitarbeiter) nach Arbeitszeit bezahlt wurden, Führungskräfte hingegen für das Ergebnis. Man erwartete einfach, dass sie ihren Job machten und verlangte dafür keine Zeitkontrolle. Indirekt allerdings war schon klar, dass Anwesenheitspflicht bestand, und das deutlich oberhalb der 40 Stundenwoche. Ich bin schon länger aus dem Konzerngeschehen raus, aber so viel anders dürfte es heute wohl immer noch nicht zugehen, oder?
Dann hieß es auf einmal: Wir führen Vertrauensarbeitszeit ein. Gemeint war, dass niemand mehr eine Stempeluhr bedienen musste, sondern seine Arbeitszeit selbst kontrollierte. Auch hier geht es nach wie vor darum, seine Arbeitszeit dem Unternehmen zur Verfügung zu stellen – mit dem Risiko, dass der eine oder andere vielleicht weniger Stunden arbeitete, andere
aber deutlich mehr als die Stunden, für die sie beza…
