2. April 2025

Management auf den Punkt gebracht!

Bild von Elchinator auf Pixabay

Citizen Developer

INSPIRATION: Eine auf den ersten Blick seltsame Vorstellung. Da ärgert sich der Mitarbeitende über eine komplizierte oder sogar fehlende Software, aber statt nun die IT-Abteilung anzurufen oder den IT-Dienstleister, setzt er sich hin und programmiert kurzerhand selbst eine Anwendung. Realistisch? Offenbar. Auch ohne spezielle IT-Kenntnisse können Menschen dank generativer KI heutzutage Software entwickeln. Man erklärt der KI, was man gerne hätte und die liefert den passenden Code.

Auf diese Weise werden wir alle von reinen Anwendern zu Programmierern, optimieren die uns zur Verfügung stehende Software, die IT-Fachleute können sich auf komplexere Themen konzentrieren. Oder werden bald ganz überflüssig – es geht „um die Zukunft der IT-Abteilungen“. Echt jetzt?


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Diese „Hobby-Programmierer“ nennt man Citizen Developer. Und offenbar setzen schon einige große Unternehmen auf das Modell. Natürlich melden sich die Bedenkenträger. Und auch wir bei MWonline haben das Thema schon einmal skeptisch beäugt (Des Kaisers neue Sprüche). Wenn jeder seine eigene Software einsetzt, dann gibt es bald unfassbaren „Wildwuchs“, überall individuelle Lösungen. Oder es werden Programme entwickelt, die fatale Entscheidungen treffen. In einem Beispiel wurden bei einem Telekommunikationsunternehmen etlichen Kunden kostenlose iPhones zugeschickt, weil ein Kontrollschritt in der Software fehlte. Aber, so die Autoren im Harvard Business Manager (Und plötzlich sind wir alle Programmierer), allzu viele Pannen haben sie nicht entdeckt bei ihrer Umfrage unter den Unternehmen, die sich intensiv mit der Idee beschäftigen.

Enorme Zeiteinsparung

Weitere Einwände: Wer sich plötzlich in der Lage fühlt, eigene Anwendungen zu entwickeln, der könnte auf die Idee kommen, neben seinem Tätigkeit weitere Jobs anzunehmen. Tatsächlich fand man solche Mehrfachbeschäftigungen – allerdings ist das sicher kein besonderes Phänomen und dürfte durch entsprechende Honorierung und Wertschätzung in den Griff zu kriegen sein.

Offenbar sind die Erfahrungen schon jetzt vor allem positiv. Bei PwC meldeten sich für Schulungen (ganz ohne diese geht es wohl nicht) statt der erwarteten 500 Mitarbeitenden ganze 2.000. Die Motive sind durchaus unterschiedlich: Neugier, langweiligen Aufgaben entkommen, persönliche Entwicklung. Vor allem aber: Kein Anruf mehr bei den Fachleuten, wenn etwas nicht funktioniert – selbst ist die Frau! Aber wer am meisten von den Citizen Developers profitiert sind die Unternehmen. Bei AT&T hat man die Zeit gemessen, die u.a. mit der Hilfe von „Laienautomatisierung“ eingespart wurde: Pro Jahr 17 Millionen Minuten und mehrere 100 Millionen Dollar Mehrwert pro Jahr. Hier ist schon von einem neuen Zeitalter die Rede, irgendwann werden auf diese Weise alle Menschen programmieren können.

Ich habe einen Selbstversuch gestartet. Habe eine KI gebeten, mir einen Code zu schreiben, um unter den Bildern zu Beginn der MWonline-Artikel eine Unterschrift einfügen zu können. Dauerte nur Sekunden, dann wurde mir der Code präsentiert. War in diesem Fall gar nicht nötig – die Aufgabe hatte schon jemand erledigt, ich konnte seine Lösung einfach übernehmen. Das Ergebnis ist erstmalig in diesem Beitrag zu sehen. Ich staune …

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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