REZENSION: Dirk Eilert: Mimikresonanz. Gefühle sehen. Menschen verstehen. Junfermann Verlag 2013
Emotionen (eher kurzzeitig) und Stimmungen (eher überdauernd) sind im menschlichen Miteinander zweifelsohne von großer Bedeutung. Dabei beinhaltet der gern und auch hier im Buch verwendete Begriff der emotionalen Intelligenz weniger die Problemlösefähigkeit, sondern vielmehr Empathie als die Eigenschaft, Gefühle beim Gegenüber wahrzunehmen und angemessen darauf zu reagieren.
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Um solche oft subtilen und nur schwer erkennbaren Signale leichter und zuverlässiger erkennen zu können, bietet Dirk W. Eilert das Konzept der Mimikresonanz an, das in diesem Buch schon vor einigen Jahren vorgestellt wurde (vom gleichen Autor stammen noch andere Werke zum gleichen Thema mit anderen Schwerpunkten). Die Einsatzfelder der Mimikresonanz sind ausgesprochen vielfältig und reichen von Coaching / Psychotherapie über Beratungs-, Verhandlungs- und Verkaufsgespräche bis hin zu Journalismus, Schauspiel oder Elternaufgaben.
Die wissenschaftlichen Grundlagen dieser Technik basieren auf diversen wissenschaftlichen Erkenntnissen, angefangen bei Darwin bis hin zu der modernen Hirnforschung, da die Mimik nachweislich über Wechselwirkungen einen direkten Draht ins Emotionszentrum im limbischen System enthält. Insbesondere Forschern wie Ekman und Friesen gelang es dann, sieben sogenannte Basisemotionen zu beschreiben bzw. voneinander zu unterscheiden. Mithilfe ihres „Facial Action Coding Systems“ (FACS) konnte dann eindrucksvoll belegt werden, dass diese Gefühle kulturübergreifend rund um den Globus anzutreffen sind.
Und auch wenn solche Signale oft nur sehr kurzzeitig in Form sogenannter „Mikroexpressionen“ sichtbar werden, können sie doch als „Mimikscouting“ vom geübten Auge erkannt werden, und genau das stellt den Kern des hier vorgestellten Buches dar.
Zu Beginn erfolgt dann der rundherum berechtigte Hinweis, dass ein geschulter Beobachter zwar nonverbale Signale erkennen kann, nicht aber zwangsläufig besser auch interpretieren. Denn der tatsächliche Grund für eine Mimik entzieht sich der Beobachtung und kann nur durch weitere Schlussfolgerungen mit Bedacht ermittelt werden. Allerdings vermittelt auch die Abwesenheit mimischer Signale Informationen. Dabei wirken sich die in der Mimik ausgedrückten Gefühle sowohl nach außen, aber auch nach innen aus.
Im Text werden dann zunächst die sieben Basisemotione“, nämlich Angst, Überraschung, Ärger, Ekel, Verachtung, Trauer und Freude ausführlich anhand ihrer prototypischen Mimik vorgestellt, später auch Interesse, Verlegenheit/Scham, Schuld und Schmerz. An diese Gesichtsausdrücke schließen sich körpersprachliche Kommunikationsmuster an, sogenannte Embleme, Illustratoren und Adaptoren (Beruhigungsgesten), die dann zu einem pragmatischen Persönlichkeitsmodell in Beziehung gesetzt werden.
Wie das letzte Kapitel aufzeigt, dient die Erkennung der Emotionen beim Gegenüber dann der eigentlichen Mimikresonanz, nämlich der Möglichkeit, sich auf die Körpersprache des anderen angemessen einzustellen. Damit kann diese Technik im den (beruflichen) Alltag tatsächlich zielführend angewendet werden.
Insgesamt kann eine solche kompakte Zusammenfassung von über 220 Seiten im besseren Fall Appetit auf mehr machen, mit Sicherheit aber nicht das Gesagte umfassend wiedergeben. Dafür ist zu viel Neues und Relevantes enthalten, was dann aber auch nur durch intensive Schulung mit hinreichend praktischem Training erst wirklich – und nachhaltig – verhaltenswirksam werden kann.
Das Buch ist sehr persönlich, an vielen Stellen in der „Ich-Form“ geschrieben und wirkt dadurch gut verständlich und „nahbar“. Es profitiert darüber hinaus von etlichen gelungen, ausgesprochen aussagekräftigen Farbfotos (wobei bewegte Bilder verständlicherweise oft noch aussagekräftiger wären, gerade in Bezug auf die Kurzzeit-Expressionen). Für den Rezensenten wurde allemal ein neues und bislang unterbelichtetes Kapitel der Verhaltensbeobachtung bis hin zur professionellen Eignungsdiagnostik aufgestoßen, das von ihm in Zukunft vertieft werden soll.