3. April 2025

Management auf den Punkt gebracht!

Leistungsverweigerer

KRITIK: Was für eine Schande: Da hat jemand Talent, einen tollen Abschluss und die Welt der Großen und Mächten steht ihm offen, aber zehn Stunden pro Tag als Mindestarbeitszeit? Vielen Dank, ohne mich, lautet immer häufiger die Antwort. Was ist los mit der „Leistungselite“?

Eine BWL-Professorin hat sogar ein Buch geschrieben (Ihr kriegt den Arsch nicht hoch), in dem sie die „Leistungsverweigerer“ brandmarkt und von einem „Bloß-nicht-überarbeiten-Phänomen“ spricht. Sind die Zeiten vorbei, in denen junge Leute sich nichts mehr wünschten, als sich für Job und Karriere zu quälen, bis in die Nacht an Präsentationen bastelten und zur Not auf Privatleben komplett verzichteten? Vermutlich noch lange nicht, aber offenbar werden immer mehr vernünftig.


Anzeige:

Die Arbeitswelt braucht agile Coachs, um Selbstorganisation, Innovation und neues Rollenverständnis zu implementieren. Die Neuerscheinung „Agiler Coach: Skills und Tools“ liefert für jeden agilen Coach eine beeindruckende Bandbreite an Grundlagen, Methoden und Werkzeugen für die Team- und Mitarbeiterentwicklung im agilen Arbeitsalltag. Zum Buch...


Beispiele

Die Beispiele im Handelsblatt (Generation Vernunft) klingen ziemlich realistisch. Ein Top-Absolvent eines Jurastudiums wird gelockt mit einem sechsstelligen Jahresgehalt, dafür soll er mindestens zehn Stunden pro Tag für die Firma bereitstehen. Er zieht eine kleinere Kanzlei vor. Zwei Freunde entscheiden sich gegen ihre Jobs in der Werbe- und Medienindustrie, die sie physisch und psychisch an ihre Grenzen führte und stellen heute Limonade her.

Sicher beides noch Ausnahmen, aber die hier zitierten Studien zeigen, dass Karriere und Familie fast gleichwertig gesehen werden, dass Arbeitszeiten über 50 Wochenstunden weniger attraktiv sind, auch wenn die Arbeit selbst im Leben immer noch an Platz 1 kommt. Ist ja auch nachvollziehbar – sie sorgt für den Lebensunterhalt. Nur muss es nicht mehr die große Karriere sein, das sich Abrackern für viel Geld und Status. Arbeit sollte, so die Ergebnisse der Studien, sinnvoll sein, Spaß machen und Flexibilität ermöglichen.

Spaß? Wo bleibt der Ehrgeiz?

Genau das scheint die Leistungsorientierten mächtig zu stören. Schreckliches Wort: Spaß! Wo bleibt der Ehrgeiz? Mal ehrlich: Wie sehr muss sich jemand über seine eigene Entscheidung, Karriere zu machen, im Nachhinein ärgern, dass er alle, die das Spiel nicht mitmachen, als Leistungsverweigerer bezeichnet? Weil sie später mal nicht zurückschauen wollen und sich fragen, wozu sie all das auf sich genommen haben, dafür Familie, Freunde, Verwandte und die eigene Gesundheit vernachlässigt haben?

Und wie dämlich ist es von Unternehmen, von Top-Kandidaten immer noch diesen Einsatz zu fordern? Warum zahlt man nicht zwei Top-Leuten ein reduziertes Gehalt statt einem einzelnen solch horrende Gehälter und hat die besten Leute, die auch noch gerne ihren Job machen? Wieso findet man keine intelligenteren Lösungen als sich über die mangelnde Leistungsbereitschaft zu beklagen?

Natürlich gibt es weiterhin diejenigen, die Leistung um ihrer selbst willen zeigen wollen. Die sich und anderen beweisen möchten, wie gut sie sind. Die gewinnen wollen. Und vermutlich auch noch genug, die für den Aufstieg in einem Konzern vieles andere zurückstellen. Aber zu wünschen wäre es, wenn sie langsam weniger werden …

Teile diesen Beitrag:

Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

Alle Beiträge ansehen von Johannes Thönneßen →

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert