22. April 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Aushalten lernen

INSPIRATION: Kommunikation verbindet, aber sie kann auch spalten. Letzteres erleben wir zur Zeit ziemlich eindringlich. Plötzlich vertreten Menschen, die wir gut zu kennen glaubten,  irritierende Ansichten, und unser Versuch, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, endet im Streit. Das geht so weit, dass Menschen Kontakte beenden, der andere ist plötzlich nicht mehr „zum Aushalten“.

Auf gesellschaftlicher Ebene findet Ähnliches statt. Da werden ganze Gruppen ausgegrenzt, und leider leistet auch hier Kommunikation ihren Beitrag. Das wird ganz gut in der Zeitschrift für Konfliktmanagement erläutert (Kommunikation in Zeiten gesellschaftlicher Spaltung). Wobei das Problem schon lange vor dem eigentlichen Streit beginnt. Eine Ursache ist, dass wir ständig mit Behauptungen konfrontiert werden, die alles andere als wissenschaftlich belegt sind. „Pseudo-profunder Blödsinn“ nennt man so etwas. Wie zum Beispiel: Die Welt ist viel komplexer geworden. Glauben wir alle, dem widerspricht auch niemand. Oder Zahlen, die irgendwo mal genannt wurden und dann unreflektiert wieder und wieder erwähnt werden. Wie zum Beispiel, dass wir nur 10% unseres Gehirns nutzen.


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Wenn wir also immer wieder mit angeblichen Fakten konfrontiert werden, die keiner geprüft hat, dann ist irgendwie verständlich, dass Menschen plötzlich auch Dinge bezweifeln, die gut belegt sind. Fakten stehen neben „Fake-News“, und wir fangen an, alles in Zweifel zu ziehen. Und wir stecken die Menschen, die etwas anderes glauben als wir selbst, in Schubladen. Wer eine andere Meinung vertritt, gehört zu einem bestimmten Lager. Die Abgrenzung ist perfekt, die Kommunikation beendet und unmöglich.

In Zeiten von Social Media wird die Sache noch dramatischer. Hier werden Menschen, die andere Meinungen vertreten, nicht nur mit bestimmten Bezeichnungen ausgegrenzt („Covidioten“, „Lügenpresse“…). Sie können auch ohne große Hürden beleidigt, herabgesetzt, lächerlich gemacht werden (sehr beliebt ist, sie wegen mangelnder orthografischer Kenntnisse abzuwerten), und echte Kommunikation ist ausgeschlossen. Wie auch? Versuchen Sie mal, über einen Chat ein konstruktives Gespräch zu führen.

Geht das überhaupt – ein konstruktives Gespräch? Ja, aber es bedarf gewisser Voraussetzungen. Und diese sind so banal, dass es sich seltsam anfühlt, sie wieder und wieder zu erwähnen. Es fängt an mit dem Zuhören. Die Kunst dabei ist, die Aussagen des anderen nicht sofort als falsch oder lächerlich zu bewerten. Und auch nicht die eigenen Ansichten als überlegen anzusehen. Schon hier wird deutlich, wie unendlich schwierig das wird, wenn uns andere ihre „alternativen“ Theorien erläutern. Wie soll man da die eigenen Ansichten nicht als überlegen ansehen?

Vielleicht hilft hier die Haltung: „Was könnte den anderen veranlassen, so zu denken, wie er denkt?“ Mit dieser Einstellung schaffen wir es möglicherweise, die Aussagen nicht sofort zu bewerten. Also: Zuhören, ohne zu bewerten, mit einem echten Interesse an den Beweggründen des anderen.

Sodann Fragen stellen. Einfache Fragen: Woher stammt das Wissen? Wo haben Sie das gelesen? Welche Quellen gibt es? Also nicht mit eigenen Fakten kontern, sondern den Hintergrund klären. Wobei ich skeptisch bin, ob das Hinterfragen von Fakten nicht schon als Angriff auf diese verstanden wird. Vielleicht gibt es auch bessere Fragen…

Das Wichtigste aber finde ich, dass man im Gespräch bleibt. Nicht aufgeben, das, was noch so absurd erscheint, aushalten. Das kann man üben. Indem man zum Beispiel jemanden, der eine abweichende Haltung vertritt, direkt anspricht. Ein wunderbares Beispiel findet sich auf YouTube. Ein schwarzer Musiker namens Daryl Davis hat den Chef des Ku-Klux-Klan kontaktiert und Fragen gestellt. Er ist hartnäckig geblieben und – so märchenhaft das klingt – dazu beigetragen, dass dieser und andere Mitglieder irgendwann den Klan verlassen haben. Das Video ist eine Empfehlung!

Die entscheidende Botschaft hierin lautet: Das mit der Kommunikation mit anders Denkenen funktioniert nur, wenn ich dem anderen mit Respekt begegne. Respekt ist der Schlüssel! Sehr schwierig, oder?

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