2. März 2024

Das Beste aus der Fachliteratur

Embodiment

PRAXIS: Das wäre schon schön: Man wäre so gerne gelassener oder offener oder energie-geladener, aber diese Eigenschaften gehören nicht zu den besonderen Stärken. Embodiment verspricht, hier Abhilfe zu schaffen. Dazu bedarf es einiger Disziplin und eine gewisse Anzahl von Wiederholungen – verteilt über wenige Tage. Der Versuch lohnt sich.

Die Idee ist einfach: Unsere psychischen Zustände beeinflussen unseren Körper, umgekehrt gilt das Gleiche: Unsere Körperzustände wirken sich unmittelbar auf die Psyche aus. Gelingt es uns also, ein bestimmtes Gefühl wiederholt abzurufen, wird es in unserem Gehirn gespeichert, und schon besitzen wir eine neue Eigenschaft. Naja, wie das so ist: Vor dem Erfolg steht Übung, und daran scheitern bekanntlich viele Vorhaben.


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Die Autorinnen in der managerSeminare versprechen, dass es genau 90 Wiederholungen braucht, bis die neue Eigenschaft verinnerlicht ist. Das hat man ja schon häufiger gelesen: Drei Monate tägliches Üben führt dazu, dass Veränderungen im Verhalten verankert, zu Gewohnheiten werden. Macht 90 Wiederholungen. Aber es sei egal, wie lange man in dem Zustand des angestrebten Gefühls verharrt – wenige Sekunden genügen. Also kann man die 90 Wiederholungen in zwei Tagen leisten, dann ist das Ziel schon nach einem Wochenende erreicht. Und so geht es:

  1. Ganz wichtig ist, sich ein lebendiges Beispiel zu suchen für die Fähigkeit, die man anstrebt. Einen Kollegen, der besonders gelassen ist, eine Berühmtheit, aber auch ein Tier, das ein perfektes Vorbild ist. „Es gilt, sich dieses Vorbild vor Augen zu rufen. Es steht gegenüber und schaut freundlich herüber.“
  2. Nun schlüpft man in diese Person, dieses Tier hinein und fühlt die angestrebte Eigenschaft mit dem ganzen Körper: Wie fühlt es sich an, mit den Füßen des Vorbildes auf dem Boden zu stehen, mit seinen Augen die Welt zu betrachten, seinen Kopf zu drehen, seine Körperhaltung zu haben? Erst wenn man einen klaren und positiven Eindruck erzielt hat und es sich richtig gut anfühlt, geht es weiter. Die meisten können das am besten mit geschlossenen Augen.
  3. Dann spürt man tiefer hinein: Wo im Körper ist das neue Gefühl am stärksten – im Kopf, im Herzbereich, im Bauch…?
  4. Wenn das Gefühl lokalisiert ist, versuchen wir, das Gefühl genauer zu beschreiben: Leicht oder schwer? Warm oder kühl? Welche Farbe passt? Welche Konsistenz?
  5. Nun wird es auf den ganzen Körper übertragen, wir lassen es sich überall ausbreiten, es durchströmt jede Zelle und füllt den Körper komplett aus. Der Schritt ist bewältigt, wenn es sich gut anfühlt, sonst muss man noch einmal zurück zu Schritt 3.
  6. Wir nehmen einen tiefen Atemzug und öffnen die Augen. Dann beschäftigen wir uns mit etwas anderem, bekommen den Kopf wieder frei.
  7. Weiter geht es mit Schritt 3, nun starten die Wiederholungen.

Wie gesagt: Am Ende sollten es 90 Durchläufe sein, das ist in zwei Tagen zu schaffen, aber es dürfen sicher auch mehr sein. Danach strahlen wir das aus, was wir in unserem Vorbild gesucht und gefunden haben. Ob das funktioniert? Ich freue mich über Erfahrungsberichte….

(aus: Anke Precht / Heike Henkel – Neue Eigenschaften durch Einfühlen. managerSeminare 06/2019, S.76-78)

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