15. Juli 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Leadership on demand

INSPIRATION: Das ist mal ein Perspektivenwechsel. Teams haben Teamleiter, ob sie das möchten oder nicht. Woraus folgt: „Führung wird erzwungen.“ Wobei ich diesen Satz schon wieder seltsam finde: Ich dachte, Führung gibt es immer? Gemeint ist wohl: Die Position der Führungskraft wird erzwungen, und in der Tat, das nächste Zitat kann ich nur unterstreichen: „Es handelt sich um eine Verschwendung, eine Position einzurichten, die kaum Nutzen spendet.“ (Führen, wenn es sinnvoll ist).

Hinterfragt wird das selten: Der Teamleiter wird installiert, weil man das schon immer so gemacht hat. Die Realität aber zeigt, dass viele Teams auch prima ohne auskommen. Dann ist es „ein Eingriff in die Freiheit eines Menschen“. Dieser Eingriff, so Carsten Schermuly in der „neues lernen“, „sollte nur wohlbegründet und dosiert eingesetzt werden“.

Das Gegenteil (zu dem ich bekanntlich tendiere) ist aber auch nicht in Ordnung. Enthält man den Teams Führung (gemeint ist wieder „eine Führungskraft“) vor, entlässt sie stattdessen in die Selbstorganisation, ob sie wollen oder nicht, kann das sehr anstrengend sein. Jede Beziehung, jede Aufgabe, jede Verantwortung muss ausgehandelt werden, damit sind viele Teams überfordert. Das ist eine ebenso autoritäre Entscheidung wie die ungefragte Einsetzung eines Teamleiters.

Führung oder keine Führung – das ist hier die Frage

Gute Unternehmen gehen anders vor – wobei ich zuerst dachte, nun kommen Praxisbeispiele. Tatsächlich handelt es sich eher um eine Utopie bzw. um eine Zukunftsvision. Und die sieht so aus: Die Teams entscheiden, ob sie jemanden benötigen, der sie führt. Weil diese Entscheidung aber schwierig ist und vermutlich auch nicht alle im Team das einheitlich sehen, gibt man ihnen eine Hilfestellung, wofür eine Support-Funktion im Unternehmen eingerichtet ist.

Dann schlägt das Management Menschen für die Teamleitung vor und das Team wählt sich eine Führungspersönlichkeit aus. Es gibt eine 6-monatige Probephase, dann schaut man, ob die Zusammenarbeit fortgesetzt wird oder sich erledigt hat. Manchmal brauchen Teams vielleicht auch nur zeitweise eine solche Führung, anschließend können sie sich wieder selbst führen.

Und was passiert, wenn niemand gewillt ist, ein Team zu übernehmen? Weil andere dort schon schlechte Erfahrungen gemacht haben? Dann bekommt das Team von einer „psychologisch versierten Supporterin“ Beratung. Oder es löst sich auf.

Klingt spannend, wäre mal interessant zu erfahren, ob es schon Unternehmen gibt, die damit experimentieren. Stelle ich mir nicht so einfach vor. Was ist zum Beispiel, wenn ein Team der Meinung ist, es benötigt keine Leitung, aber die Leitung (denn die gibt es ja weiterhin) die Sache anders sieht? Weil sie mit der Leistung nicht zufrieden ist, oder mit der Art und Weise, wie das Team mit anderen kooperiert bzw. nicht kooperiert. Vermutlich schickt sie dann erst mal wieder die psychologisch versierten Supporterin, die nach dem Rechten schaut.

Es bleibt eine zentrale Frage

Ich kann mich an Geschichten aus der Welt des Managements erinnern, in denen sich Gründer bzw. Inhaber von Unternehmen eine Führungskraft gegönnt haben, indem sie einen Geschäftsführer eingestellt haben. Fand ich damals schon sehr interessant, das Prinzip ist ja das gleiche: Hat ein Team das Gefühl, ohne Leitung nicht optimal zu funktionieren, besorgt es sich diese. Ist das nicht mehr nötig oder klappt nicht, verabschiedet es diese wieder. Bleibt natürlich eine zentrale Frage: Über welche Entscheidungsbefugnisse verfügt diese von einem Team angeforderte Führungskraft? Ich stelle mir den Geschäftsführer vor, der die Inhaber führt, sich im Meeting alle Meinungen anhört und dann erklärt, was gemacht wird. Er kann doch maximal moderieren und zu einem Konsens führen, oder?

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