13. April 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Macht in der Mediation

PRAXIS: In einer Mediation geht es darum, den Konfliktparteien zu helfen, die beiderseitigen Interessen und Bedürfnisse zu verwirklichen. Das funktioniert nicht wirklich, wenn eine der Parteien sich der anderen unterlegen fühlt oder eine Partei versucht, Machtungleichheit zum eigenen Vorteil zu nutzen. In einem anschaulichen Beispiel anhand einer Familienmediation zeigen die Autoren in der Zeitschrift für Konfliktmanagement (Familienmediation und Macht) vier Machtfaktoren auf, die sie als Mediatoren im Auge behalten:

  1. Wissen: Jede Form von Wissensvorsprung verändert das Gleichgewicht, z.B. juristisches Wissen – etwa wenn eine Partei nicht weiß, welche rechtlichen Möglichkeiten sie hat, die andere hingegen rechtlichen Rat eingeholt hat.
  2. Optionen: Wenn eine Partei über mehrere Optionen verfügt, die andere hingegen nur über eine, dann kann erstere deutlich mehr Druck ausüben. Was natürlich auch vom Wissensstand abhängt.
  3. Zeit: Wer mehr Optionen hat, kann sich vielleicht auch mehr Zeit lassen, während jemand, der nur eine Option hat und diese sogar zeitlich befristet ist, sich hier natürlich unterlegen fühlen wird.
  4. Gefühl: Je nach Stand der beschriebenen Faktoren ist die Gefühlslage auf Seiten der Parteien sehr unterschiedlich. Wer mehr Macht hat, fühlt sich überlegen und sicherer, der andere unter Druck und hilflos.

Hinzu kommen die bekannten Verhandlungstricks, mit denen sich die Parteien einen Vorteil verschaffen wollen. Hier werden drei von ihnen näher beschrieben:


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  1. Überhöhte Forderungen, nach dem Motto: Ich fordere unrealistisch viel, damit der andere, der sich vielleicht unterlegen fühlt, eine eher realistische Gegenforderung stellt und man sich in der Mitte trifft, zum Vorteil des „Tricksers“.
  2. Ich kann nicht anders-Technik. Schönes Beispiel: Zwei LKW-Fahrer stehen sich auf einer schmalen Brücke gegenüber, keiner will zurücksetzen. Da reißt der eine sein Lenkrad raus und wirft es weg… Damit wird die Alleinverantwortung für eine Lösung dem anderen zugewiesen.
  3. Nicht existierende Optionen ins Spiel bringen – selbst wenn das offensichtlich ist, hat man ja die Initiative gezeigt, der andere, der ablehnt, steht dann als derjenige da, der keine Lösung zulässt.

Mit diesen Tricks wird das Verhandlungsklima verschlechtert und die Chance auf eine Lösung geringer, weil dann beide Parteien versuchen werden, ihre Position zu verteidigen.

Der Mediator kann im Einführungsgespräch versuchen, die Voraussetzungen für ein einigermaßen ausgewogenes Machtverhältnis herzustellen. Hier sind drei Möglichkeiten:

  1. Wenn deutlich wird, dass eine Partei einen Wissensvorsprung hat oder versucht, einen solchen zu erlangen, besteht der Mediator auf der Verpflichtung für beide Seiten, ihre Informationen weiterzureichen und z.B. auch Dokumente vorzulegen.
  2. Sodann lässt er sich die Befugnisse verleihen, bei Verhandlungstricks eingreifen zu können, diese anzusprechen und sie mit seinem Fachwissen zu unterbinden.
  3. Für den Fall der Nichteinhaltung vereinbart er Sanktionen – bis hin zum Abbruch der Mediation.

In dem Beispielfall hat sich eine der Parteien juristischen Rat eingeholt und damit einen Wissensvorsprung errungen. Die Mediatoren empfahlen der anderen Partei, es ihr gleich zu tun, was allerdings nicht geschah. Das Machtungleichgewicht führte, neben anderen Faktoren wie weniger Optionen auf der einen Seite, dazu, dass die erste Partei sich häufiger durchsetzte.

Interessant aber an dem Fall ist auch, dass die Eingangsinformationen (z.B. dass es in der Mediation um die Erfüllung gegenseitiger Bedürfnisse geht) von der einen Partei ausgenutzt wurde, indem sie mitten in der Verhandlung die Strategie wechselt und auf ihre Bedürfnisse verwies. Die Mediatoren verzichteten hier auf Sanktionen, weil die endlich gefundene Lösung der „unterlegenen“ Partei immer noch lieber war als eine gerichtliche Auseinandersetzung.

Ein Fazit daraus: Es dürfte alles andere als einfach sein, die Parteien dazu zu bringen, ihre Informationen und Optionen aufzudecken. Das wäre dann der Fall, wenn beide ernsthaft daran interessiert sind, die für beide Seiten bestmögliche Lösung zu finden. Gerade in Familienmediationen mit all den erlebten Verletzungen scheint mir das eher die Ausnahme zu sein.

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