22. April 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Agil kündigen

KRITIK: Dass Teams neue Mitglieder selbst einstellen können, ist in vielen Organisationen schon an der Tagesordnung. Aber können sie ihnen auch selbst kündigen? Wie Trennungsmanagement in agilen Unternehmen funktionieren könnte, hängt vor allem vom Reifegrad der Organisation und ihren Mitgliedern ab. Soll wohl heißen, dass es tatsächlich möglich sein könnte, dass ein Team einen Kollegen zum Kündigungsgespräch bittet.

In dem Beitrag der managerSeminare wird die Ministry Group als Beispiel präsentiert (Agil Abschied nehmen). Dort gelten drei einfache Prinzipien für Entscheidungen – sei es für den Einzelnen als auch für Teams. Diese müssen für sich die folgenden Fragen beantworten, ehe sie entscheiden:


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  • Betrifft die Entscheidung nur mich bzw. uns?
  • Fühle ich bzw. fühlen wir uns bei der Entscheidung sicher?
  • Haben wir alle notwendigen Informationen zusammen?

Lautet die Antwort jeweils „ja“, steht einer Entscheidung nichts mehr im Weg und man muss niemand anderen mehr fragen. In Sachen Kündigung ist das sicherlich schwierig. Man hat festgestellt, dass dies schon deshalb alles andere als einfach ist, weil in Teams schnell das Gefühl entsteht, sich mehr als Familie denn als Firma zu verstehen. Wobei drei Fälle zu unterscheiden sind:

  1. Es passt nicht – das Team stellt fest, dass die Zusammenarbeit mit einem neuen Mitglied nicht gut funktioniert. Durch Feedback, Mentoring und einen guten Onboarding-Prozess kann das hier und da wettgemacht werden, aber wenn alles nicht hilft und auch woanders im Unternehmen keine passendere Stelle existiert, heißt es Abschied nehmen. Was in der Regel zum Ende der Probezeit passiert.
  2. Jemand verlässt das Unternehmen, weil er woanders mehr Entwicklungsmöglichkeiten sieht. Dann kann man auch versuchen, eine neue Aufgabe im Unternehmen zu finden, aber im Zweifelsfall lässt man den Betreffenden lieber im Guten ziehen und freut sich, dass er sich weiter entwickeln kann.
  3. Es kommt aufgrund wirtschaftlicher Engpässe zu einem Personalabbau. Hier ist das Team bei der Entscheidung eher außen vor und kann nur zusammen mit anderen Teams nach Alternativen suchen (Gehaltsverzicht z.B.). Hierzu gehört schon ein erheblicher Reifegrad in der Organisation.

Ob solche Trennungen für alle Beteiligten möglichst gut verlaufen, hängt natürlich von der Kultur ab. In reifen Organisationen herrschen Wertschätzung und Ehrlichkeit, Trennungen werden als Teil von Entwicklung begriffen, dezentrale Entscheidungsgewalt wird nicht einfach delegiert, sondern die Mitarbeiter werden hierauf vorbereitet und es herrscht ein ausgeprägtes Systemdenken – man sieht sowohl das individuum als auch das Ganze und versucht, für alle die besten Lösungen zu finden.

Ich bin etwas irritiert: Gilt all das nicht für jede Organisation, unabhängig davon, ob man sich nun agil nennt oder hierarchisch aufgestellt ist? Mir ist schon klar, dass Teams nicht einfach jemanden entlassen können, denn die Entscheidung betrifft ja nicht nur das Team selbst. Aber auch in Teams mit hierarchischer Leitung wird der Teamleiter sich nicht nur auf sein eigenes Urteil verlassen und Mitarbeiter entlassen (wobei dies häufig eher zu spät als rechtzeitig und oft genug nach der Probezeit geschieht).

Bei der Ministry Group führt immer noch die Geschäftsführung die Trennungsgespräche, und größere Entlassungsentscheidungen werden auch von dieser getroffen. Die Kultur ist in diesem Beispiel dann offenbar noch nicht reif für alternative Formen. Wo ist dann der Unterschied zur „nicht agilen Trennung“?

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