INSPIRATION: Satire oder Realität? Da hat eine Führungskraft protokolliert, wie viel Zeit einer ihrer Mitarbeiter auf der Toilette verbrachte. Nach zwei Wochen addiert er die Minuten und kürzt ihm das Gehalt. Klingt nach einer angstfreien Organisation, oder? Wie mag es dort wohl um die Fehlerkultur bestellt sein? Im Personalmagazin erklärt die Personalleiterin von Schenck Rotec, wie man dort mit Fehlern umgeht („Umgang mit Fehlern ist Führungssache“). Dabei geht sie von unterschiedlichen Fehlertypen aus: Fehler, durch die ein Einzelner das Unternehmen gefährdet, und Fehler im Prozessablauf aus Nachlässigkeit oder Unkenntnis.
Interessante Behauptung: Erstere können nicht vorkommen, weil das Unternehmen über die entsprechenden Kontrollmechanismen verfügt, die solche Fehler verhindern. Fehler durch Unkenntnis sind auch kaum vorstellbar, weil die Mitarbeiter gut ausgebildet sind. Bleiben also nur Fehler aus Nachlässigkeit. Auch die können schlimme Folgen haben, und hier ist es wichtig, dass sie angesprochen werden. Dazu gibt es entsprechende Foren: Projekt Reviews, Qualitätskreise und Produktteams.
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Das offene Ansprechen von Fehlern
Genau um dieses offene Ansprechen von Fehlern geht es bei dem Konzept der angstfreien Organisation. Karlheinz Schwuchow fasst im Personalmagazin den Stand der Forschung zusammen (Jenseits der Angst) und bezieht sich hier auf die Arbeiten von Amy Edmondson (Die angstfreie Organisation). Ausgangspunkt ist eine Studie aus den 90er-Jahren, bei dem Klinikteams untersucht wurden. Dabei zeigte sich, dass diejenigen mit der höchsten Anzahl an Fehlermeldungen die besten Leistungen zeigten. Was daran lag, dass sie gar nicht die meisten Fehler machten, sondern mehr über ihre Fehler sprachen und aus ihnen lernten.
Da ahnt man das Dilemma der längere Zeit propagierten Null-Fehler-Politik: Wenn keine Fehler gemeldet werden, heißt das ja noch lange nicht, dass keine passiert sind. Erinnert mich an die Zeiten, in denen ich mit Arbeitsunfällen zu tun hatte. Was da nicht alles unternommen wurde, um Unfälle bei der Arbeit nicht in der Statistik auftauchen zu lassen …
Gefragt ist also ein Klima der Angstfreiheit, die sich darin zeigt, dass die Menschen Probleme offen ansprechen. Nicht mehr und nicht weniger – ganz einfach. Wenn Menschen sich überlegen müssen, ob sie Schwierigkeiten kriegen, wenn sie ein Problem adressieren, dann fehlt die „psychologische Sicherheit“. Laut Schwuchow gibt es einige Faktoren, die diese Sicherheit beeinträchtigen: Sichtbare Statusunterschiede zum Beispiel. Fehlende Wertschätzung und Empathie. Einseitiger Fokus beim Umgang mit Fehlern und Sanktionieren von Fehlern, statt aus ihnen zu lernen.
