17. Juli 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Die große Angst

KRITIK: Bei IBM macht man sich große Gedanken, wie man Mitarbeiter darauf vorbereitet, dass sich ihre Arbeit dramatisch verändern wird, wenn künstliche Intelligenz, zum Beispiel in Form des Kollegen Watson, ihnen Teile ihrer Tätigkeit wegnimmt oder sie gar ganz überflüssig macht. Was kommt da auf uns zu und speziell auf diejenigen, die mit Personalthemen zu tun haben?

In dem Beitrag in der Personalführung wird der IBM Watson Career Coach vorgestellt (Keine Angst vor KI), und das macht den MWonliner neugierig. Da ist die Rede davon, dass „etwa die Hälfte der heutigen Arbeit und Tätigkeit durch den Einsatz von KI mittelfristig mit hoher Wahrscheinlichkeit computerisiert werden kann.“ Bei solchen Ankündigungen ist verständlich, dass sich Menschen Sorgen machen und in der Folge die Akzeptanz in Sachen künstlicher Intelligenz eher gering ist. Vor allem in Deutschland, wo man ja „nachweislich“ skeptischer ist, die berühmte „German Angst„. Also braucht man eine „dezidierte Aufklärungskommunikation„.


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Vor allem wird hier betont, dass der Wandel durch künstliche Intelligenz „schneller, radikaler und unerwarteter eintritt„, und deshalb ein umfassender Change Prozess, am besten mit Design Thinking Methoden, empfohlen wird. Bei IBM gibt es drei Prinzipien für den Einsatz von KI: Purpose (KI soll menschliche Fähigkeiten erweitern und verbessern und nicht ersetzen), Skills (Mitarbeiter sollen unterstützt werden, um ihre Fähigkeiten im Umgang mit den „kognitiven Systemen“ zu verbessern) und Transparenz (Es soll vollkommen klar sein, wann und für was KI-Systeme eingesetzt werden).

Nun denn, wie sieht das also aus mit dem Career Coach? Wir erfahren, dass er keine sonderlich großen Ängste auslösen wird, weil er mehr zu den „schwachen, assistierenden KI-Anwendungen“ zählt. Soll heißen: Es ist eine App, die den Mitarbeiter per Chatbot über Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten aufklärt, indem sie ihm zum Beispiel anzeigt, welche Stellenangebote im Unternehmen auf sein Profil passen. In der Tat, da mache ich mir als Coach und Personaler noch nicht wirklich Sorgen um meinen Job.

Überhaupt: Was ist an all dem disruptiv und so radikal und unerwartet? In einem anderen Beitrag (Gestalten statt verwalten) wird dem Personaler mal wieder versprochen, dass er sich nun wirklich bald auf die wesentlichen Aufgaben und die strategischen Dinge konzentrieren kann. Weil künstliche Intelligenz in der Cloud ihm viele Aufgaben abnimmt, die sonst nur lästig sind. Welche das sind? Sie werden es nicht erahnen: Urlaubsanträge, Zeugnisse, Krankmeldungen und die Vergabe von Boni – einfach per Klick oder Wisch mit dem Smartphone, das kann der Chef dann sogar von zu Hause aus erledigen.

Beim Zeugnis wird es völlig absurd: Der Vorgesetzte braucht nur noch Noten zu vergeben, dann setzt die schlaue Software die Noten in einen rechtssicheren Text um. Er packt seine digitale Unterschrift darunter und der Personaler muss sich um nichts mehr kümmern. Dann braucht der Mitarbeiter nur noch ein entsprechendes Programm, um den Text wieder in Noten zu verwandeln. Und das soll intelligent sein? Macht nur den Blödsinn der Zeugnisse so richtig transparent. Im Ernst: Wenn den Anbietern keine schlaueren Beispiele für die Anwendung von KI im Personalbereich einfallen…

Bleibt noch der Vergleich mit Ärzten. Diese nämlich sollen in Zukunft per KI alle möglichen Informationen über ihre Patienten erhalten, die zum Teil viel genauer sind als das, was Menschen bisher fertiggebracht haben. Das kann ich mir in der Tat gut vorstellen. Übertragen auf den Personaler bedeutet das, er erhält Analysen und Profile über Mitarbeiter und Kandidaten, die er selbst nie hätte erheben können. Daran glaube ich allerdings weniger, aus dem einfachen Grund: Dann müsste man auch die notwendigen Daten haben, um etwas Sinnvolles über Menschen aussagen zu können, und anders als in der Medizin sind wir da in der Management-Diagnostik nicht sonderlich weit gekommen. Warum sollte da KI bessere Ergebnisse ermöglichen?

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