24. April 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Drei-Namen-Regel

PRAXIS: Die Idee habe ich dem Buch „Reiß das Ruder rum!“ entnommen. Sie steht sinnbildlich für einen interessanten Ansatz – nämlich nicht zu überlegen, was man tun kann, um eine bestimmte Einstellung zu fördern, sondern zu schauen, an welchem Verhalten man die gewünschte Einstellung erkennt und dieses Verhalten einzufordern.

Die Ausgangsfrage, die sich die Verantwortlichen auf der Santa Fe, einem Atom-U-Boot der US Navy, stellten, lautete: „Woran würden wir erkennen, dass unsere Mannschaft stolz auf das Boot ist?“ Vergleichbar der Frage: „Woran könnten wir merken, dass unsere Mitarbeiter stolz auf das Unternehmen sind?“


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Die Antworten auf die Frage klingen vertraut: „Sie geben damit an vor ihren Freunden und der Familie“ – „Sie tragen die Mützen mit dem Namen des Schiffes so oft wie möglich“ – „Sie schauen den Besuchern in die Augen, wenn sie ihnen auf dem Gang begegnen“. Letzteres war nämlich dem Kommandanten besonders aufgefallen: Die Matrosen schauten häufig zu Boden, wenn sie jemandem begneten, kein Zeichen von Selbstvertrauen oder gar Stolz.

Seine Idee: Warum nicht das Pferd von hinten aufzäumen. Statt nun sich erst darum zu kümmern, eine entsprechende Kultur zu schaffen, damit die Mitarbeiter wieder stolz sein konnten und entsprechend auch auftraten, könnte man doch die Leute auffordern, sich so zu verhalten, wie man sich das wünscht?

Daraus wurde die „Drei-Namen-Regel“. Der Kommandant versammelte die Mannschaft um sich und erklärte, wie die Regel funktionieren sollte: Wenn ein Mitglied der Mannschaft einem Besucher an Bord begegnete, sollte er diesen mit drei Namen begrüßen: Dem Namen des Besuchers, seinem eigenen Namen und dem des Bootes. Also: „Guten Morgen, Leutnant Meyer, mein Name ist John Smith, willkommen an Bord der Santa Fe!“

Die Konsequenz: Der Besucher fühlt sich willkommen, wird freundlich reagieren und alleine das wird den Matrosen schon ein besseres Gefühl geben. David Marquet, der Autor und Kommandant des Bootes, hatte aber die Hoffnung, dass sich mit dem neuen Verhalten automatisch auch das Denken änderte: Wer sich wie jemand verhält, der stolz auf sein Schiff ist, wird eine entsprechende Einstellung gewinnen.

Realistisch? An einer späteren Stelle beschreibt er, dass diese Regel nur zu einem Teil eingehalten wurde. Und vermutlich hätte sie allein auch kaum etwas bewirkt, erst im Zusammenspiel mit all den anderen Veränderungen an Bord dürfte sie dazu geführt haben, dass sich nach kurzer Zeit die komplette Kultur geändert hatte.

Aber die Frage: „An welchem Verhalten der Mitarbeiter werden wir erkennen, dass…“ ist definitiv ein guter Einstieg in ein Veränderungsvorhaben, das auf Verhalten abzielt. Und vielleicht gibt es dabei Ideen, das angestrebte Verhalten sofort „einzuführen“. Ausprobieren!

Wobei mir einfällt: Wenn ich bei Unternehmen, angefangen beim Pförtner, auf diese Weise empfangen würde, wäre ich sicherlich beeindruckt. Die Realität sieht anders aus. Oder können Sie sich vorstellen, dass die Mitarbeiterin des Bürgeramtes beim Anliegen, den Personalausweis zu verlängern, Sie mit Namen anspricht, ihren eigenen nennt und Sie dann noch im Bürgeramt willkommen heißt?

(nach: David Marquet: Reiß das Ruder rum! S.72-75)

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