15. Juli 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Ein Herz aus Bits und Bytes?

INSPIRATION: „Was macht eine Führungskraft eigentlich den ganzen Tag und was davon könnte eine KI übernehmen?“ Was für ein Paukenschlag, mit dem Autor Martin Kersting, seines Zeichens Professor für Psychologische Diagnostik an der Justus-Liebig-Universität Gießen, seinen Beitrag (Künstliche Intelligenz – der große Zapfenstreich für Führungskräfte?) eröffnet. Denn Führung hat offensichtlich viel mit Daten zu tun – z.B. mit KPIs. Man denke bloß an die Personaleinsatzplanung oder an die Mitarbeiterbeurteilung. Oder an einen digitalen Fußabdruck der Mitarbeiter, den diese durch Bewegungsdaten in Raum und Zeit generieren. Damit könnte man – wenn man mal juristische Bedenken hintanstellen würde – allerlei interessante Berechnungen anstellen …

Der Professor kennt seine Pappenheimer und nimmt ihnen sogleich den Wind aus den Segeln: „Ein derartiges Vorgehen erregt häufig Empörung bei edlen Gemütern, die aber in der Regel wenig Mitleid mit all den (insbesondere stilleren) Mitarbeitenden haben, deren Leistung von Führungskräften seit Jahren systematisch übersehen wird.“ Aber die KI kann natürlich noch mehr. Sie kann auch Vorschläge zur Optimierung machen: Zur Arbeitsgestaltung, zum Gesundheitsschutz, zur Personalentwicklung. Wo die einzelne Führungskraft an ihre kognitiven Verarbeitungsgrenzen kommt, ist für den Rechner noch lange nicht Feierabend. Und mit all den Daten kann man natürlich auch ein Controlling installieren, von dem der olle Ford nur geträumt hat. Schließlich leben wir im Zeitalter des „Quantitär“. Kritiker sprechen schon vom Digitalen Taylorismus (Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt).


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Ist KI die bessere Führungskraft?

Sollen Führungskräfte also besser abdanken? Der modernen Maschine können sie nicht das Wasser reichen. Doch sie dürfen das gar nicht! Denn es gibt juristische Anforderungen, die man nicht aushebeln kann: Datenschutz, Auskunftspflichten, Fürsorgepflicht, Mitbestimmung … Dass solches nicht nur lästig oder sentimental ist, wird deutlich, wenn man die Vor- und Nachteile der Führung durch Maschinen oder durch Menschen gegenüberstellt. Und das sortiert sich flugs in transaktionale versus transformationale Führung. Was leicht einleuchtet.

Grundsätzlicher ist allerdings das Argument, dass es die Führungskräfte sind, die den Einsatz der KI und ihre Algorithmen verantworten müssen. Deshalb müssen sie verstehen, was sie tun, und sie müssen sich rechtfertigen sowie Verantwortung übernehmen (Ist KI ein Scheinriese?). Sie müssen im Krisenfall eingreifen und das Steuer wieder übernehmen (können). Denn die KI rechnet auf der Grundlage der Daten der Vergangenheit. In denen kommen Pandemie, Krieg und das Versiegen der Gaslieferungen nicht vor. „Maschinen brechen nicht mit Mustern, sie sind nicht kreativ und sie haben keinen moralischen Kompass.“ Es gilt sich also von einem mechanistischen Verständnis der Führung zu lösen, weil wir Menschen sind, da ist dem Autor völlig zuzustimmen.

„In die Ecke, Besen! Besen! Seids gewesen“

Ich hätte da allerdings noch ein paar feuilletonistische Ergänzungen, zu denen sich ein Universitätsprofessor vermutlich nicht hinreißen lassen würde, die seine Argumentation jedoch knackiger machen würden: „In die Ecke, Besen! Besen! Seids gewesen“ – heißt es so schön in Goethes Zauberlehrling. Oder moderner: „Ich fühle mich schon viel besser“, sagt HAL, der Bordcomputer, zum Astronauten Dave Bowman in Stanley Kubrik’s „2001 Odyssee im Weltraum“, als dieser ihn abschalten will.

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