23. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Entscheidunghygiene

Das Beispiel ist überzeugend: Als bekannt wurde, dass nach Impfungen mit Astrazenaca Thrombosen aufgetreten waren, wurden in einigen Ländern die Impfungen komplett gestoppt, in anderen wurden sie nur noch für Menschen über 70 bzw. über 60, in wieder anderen für über 30jährige und woanders weiter für alle zugelassen. Man sollte doch meinen, dass allen Entscheidern die gleichen Informationen vorlagen – wie kann es dann sein, dass die Entscheidungen so unterschiedlich ausfielen?

Entscheidungen unterliegen kognitiven Verzerrungen, das ist bekannt. Ebenso bekannt ist, welche solcher Biases es gibt (Von wegen rational). Dagegen kann man sich wappnen. Wenn man zum Beispiel weiß, dass man Menschen, die einem ähnlich sind, positiver beurteilt (etwa im Bewerbungsgespräch), dann kann man darauf besonders achten. Oder wenn man weiß, dass Verlustängste dazu führen, Aktien länger zu halten, dann kann man das bei seinen Investitionsentscheidungen berücksichtigen.

Aber es gibt daneben noch Einflüsse, die Fachleute als „Noise“ bezeichnen. Dieses Rauschen führt zum Beispiel dazu, dass Richter vor der Mittagspause besonders hart urteilen, Ärzte zu unterschiedlichen Tageszeiten zu unterschiedlichen Diagnosen kommen, Versicherungsmitarbeiter mit den exakt gleichen Informationen über einen Schadensfall zu völlig unterschiedlichen Prämien wie auch Mitarbeiter bei der Beurteilung von Kollegen zu ganz verschiedenen Bewertungen gelangen (Fatales Rauschen im System).

Das wundert uns jetzt erst mal nicht sonderlich. Das Problem daran ist nur, dass man gar nicht sagen kann, warum das so ist. Und deshalb auch nicht versuchen kann, diese Verzerrungen auszuschalten. Man kann, so die Autoren Kahneman, Sibony und Sunstein, höchstens die Entscheidungshygiene verbessern. Soll heißen, dass man präventiv die Situationen so gestaltet, dass die „Geräusche“ keinen allzu großen Einfluss gewinnen.

Konkret heißt das: Man unterteile die Entscheidung in mehrere kleinere Schritte. Also sich nicht fragen: Sollen wir die Firma übernehmen oder nicht? Sondern fragen: Was würde uns das kosten? Welche Probleme erwarten uns? Wie stehen wir im Vergleich zur Konkurrenz da? Und dann lässt man mehrere Experten unabhängig voneinander Antworten finden.

Finde ich jetzt nicht so wirklich innovativ. Wer stellt denn bei großen Entscheidungen nur die Entweder-Oder-Frage? Wird aber vielleicht an dem Astrazenca-Problem klarer. Man hätte die Empfehlungen aus den einzelnen Ländern als Expertenmeinungen nehmen können und daraus eine gemeinsame und damit hoffentlich bessere Entscheidung treffen können.

Läuft aber letztlich darauf hinaus, eben keine einsamen Entscheidungen zu treffen. Führungskräfte, die andere beurteilen, können die „Geräusche“ dadurch verringern, dass sie mehrere Einschätzungen einholen. Versicherungen sollten ihre Mitarbeiter dazu anhalten, mehrere Experten bei der Beurteilung eines Sachverhaltes einzubinden. Also generell eher die Intelligenz der Gruppe oder eben unabhängig voneinander urteilenden Fachleuten nutzen.

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