3. April 2025

Management auf den Punkt gebracht!

Ethische Anstöße

REZENSION: Tanja Föhr – Ethische Kompetenzen für Führungskräfte. Wissen und Methoden für glaubwürdige, reflektierte Entscheidungen. ‎managerSeminare 2025.

Unlängst wurde hier ein langjähriger Monolith zum Thema „Unternehmensethik“ rezensiert (Ein Kompass des Handelns). Akademisch solide, aber auch etwas nüchtern-trocken, dazu „natürlich“ in harten Buchdeckeln und dem üblichen Hochformat. Das hier vorgestellte Buch vermittelt schon vor der Lektüre einen ganzen anderen „ersten Eindruck“: Sein Querformat lädt direkt zum Blättern ein, viele bunte Illustrationen lockern den Text auf. Hier dominiert also anscheinend die praktische Anwendbarkeit anstelle eines inhaltlichen Vollständigkeitsanspruchs. Also trotz vergleichbarer Überschriften ein ganz anderes Genre.


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Aber wird das Fachbuch seinem eigenen Anspruch gerecht? Nicht so ganz, findet der Rezensent, trotz offensichtlicher Anstrengungen von Seiten der Autorin. Diese versucht nämlich direkt von Beginn an, typische ethische Dilemmata herauszuarbeiten, innerhalb derer sich Führungskräfte bewegen oder bewähren müssen. Gleich das Beispiel von Entlassungen aufgrund von Kostensenkungen. Dies kann dann rasch zu Spannungen bis hin zu Gewissensbissen führen. Das ist alles verständlich, aber auch ein Stück weit vorhersehbar. Weiter geht es mit Entscheidungsmodellen und darin der Unterscheidung in Nutzenethik samt Utilitarismus gegenüber Pflichtethik/Deontologie oder Tugend- oder Diskursethik. Und das auf einem vergleichsweise hohen Abstraktionsniveau bei gut verständlicher Sprache.

In der Folge werden dann Methoden vorgestellt, um die moralische Urteilskraft zu stärken, sowie Entscheidungshilfen wie die Stakeholder-Analyse, die Werte-Konfliktmatrix bei konkurrierenden Werten oder das Reflective Equilibirum, um sich moralische Urteile entwickeln zu lassen. Ebenso enthalten sind Debatten als Kommunikationsregeln, das (vermeintlich) gemütliche Ethik-Café sowie die Entwicklung eines Führungsleitbildes samt Ethik-Kodex im Rahmen der Kulturentwicklung. Allesamt sinnvolle Techniken in diesem Kontext.

Durchblättern statt Durchlesen?

Gleichwohl wird der Rezensent mit dem Werk und seiner Darstellungsweise nicht ganz warm. Was auch an der generellen Aufmachung liegen kann: Nicht ganz durchgängig, aber dominierend befindet sich auf der rechten Seite der Fließtext, auf der linken Seite ergänzende Illustrationen, wie hochwertige Flipcharts (im Querformat). Diese sind optisch sehr gelungen, aber sie unterbrechen halt durchgängig die Textlektüre. Diese wechselt stets von der einen zur anderen Seite, wobei die Aufmerksamkeitsrichtung ständig unterbrochen wird. Das hat – wie alles im Leben – bestimmt auch seine Vorteile: Auflockerung. Es wird aber allemal rasch „Geschmackssache“. Und kann im Verlauf zum „Durchblättern statt Durchlesen“ verleiten.

Inhaltlich bewegt sich die Darstellung – wie schon gesagt – auf hohem Niveau und die vielen, aktuellen Beispiele aus dem Wirtschaftskontext sind löblich. Andererseits landet das Buch dann irgendwo genau zwischen wissenschaftlich-abstrakt und praxisorientiert-pragmatisch. Und wird damit eher zum Weder-noch statt Sowohl-als-auch. Die Autorin wirkt kompetent wie sympathisch, auch mit ihren eigenen Hinweisen, welche Inhalte sie aus Platzgründen nicht mehr im Buch unterbringen konnte. Am Ende bleibt es für den Rezensenten ein origineller Beitrag zu einem mehr denn je zeitgemäßen Thema. Der aber allein schon durch das ungewöhnliche Querformat nicht so recht ins Bücherregal passt. Und auch darüber hinaus mehr ein „Stein des Anstoßes“ statt „Literarische Meterware“ darstellt – was gleichermaßen als Kompliment wie auch als Kritik verstanden werden kann.

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