22. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Geringe Unterschiede

INSPIRATION: Achtung Fangfrage: Unterscheiden sich männliche und weibliche Führungskräfte bezüglich ihrer sozialen Kompetenzen? Und wenn ja: Inwiefern? Wo wir schon mal dabei sind: Gibt es Unterschiede bei den sozialen Kompetenzen bei Menschen mit und ohne Führungsverantwortung? Hier erst einmal in Kürze die Beschreibung der untersuchten Kompetenzen (Je mehr, desto besser gilt nicht). Das Modell stammt von Autor Kanning (2009), der hier offenbar die Ergebnisse einer Bachelorarbeit präsentiert:

  • Soziale Orientierung (Zuhören, sich in andere hineinversetzen, Kompromissbereitschaft…)
  • Offensivität (sich durchsetzen, Konfliktbereitschaft, Entscheidungsfreude…)
  • Selbststeuerung (Selbstkontrolle, emotionale Stabilität…)
  • Reflexibilität (Selbstdarstellung, über sich nachdenken, über andere nachdenken…)

Erhoben wurden die Werte mit einem Fragebogen, dem „Inventar sozialer Kompetenzen“. Dabei mussten ca. 300  Führungskräfte und 1.500 Beschäftigte ohne Führungsverantwortung 91 Beschreibungen von Verhaltensweisen bezogen auf die eigene Person einschätzen. Die Ergebnisse wurden bezüglich der Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Führungskräften, Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Führungsposition und zwischen Männern und Frauen ohne Führungsaufgabe ausgewertet.


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Achtung: Fangfrage!

Nun noch einmal zur Frage vom Anfang: Was erwarten Sie bezüglich der vier Kategorien?

Tatsächlich fanden sich in neun von 17 erfassten Kompetenzen signifikante Unterschiede zwischen Führungskräften und Menschen ohne Führungsaufgabe, und zwar u.a. in Sachen Durchsetzungsfähigkeit, Entscheidungsfreude, Konfliktbereitschaft, Stabilität, Selbstkontrolle usw. Was durchaus zu dem passt, was man von Führungskräften erwartet. Allerdings: Die Unterschiede sind klein. Was bedeutet das nun? Die Autoren vermuten als Ursache drei Dinge:
  • Selbstselektion: Wer über bestimmte Fähigkeiten verfügt, setzt sich gegenüber anderen im Wettbewerb um Führungspositionen eher durch. 
  • Fremdselektion: Personalauswahlverfahren sorgen dafür, dass bestimmte Personen eher in Führungspositionen gelangen – was ja schön ist, wenn es die richtigen sozialen Kompetenzen sind.
  • Sozialisation: Wer in einer Führungsposition ist, lernt, sich in gewisser Weise zu verhalten, um in der Rolle erfolgreich zu sein. 

Ich möchte ergänzen: Führungskräfte haben ein bestimmtes Selbstbild, sie halten sich z.B. für durchsetzungsfähiger oder stabiler oder kommunikativer, das dürfte sich beim Ausfüllen eines Fragebogens zur Selbstbeschreibung auswirken. 

Und die Geschlechterunterschiede?

Schauen wir uns den zweiten Vergleich an, nämlich den zwischen weiblichen und männlichen Führungskräften. Ihre Erwartung? Hier die Antwort: Es gibt so gut wie keine, abgesehen davon, dass Männer sich selbst als ein wenig durchsetzungsfähiger und mit ein wenig mehr Selbstkontrolle beschreiben. Was sich mit vielen anderen Studien deckt, obwohl man doch überall liest, dass Männer und Frauen unterschiedlich führen. Wobei: Sie verfügen über die gleichen sozialen Kompetenzen, aber vielleicht nutzen sie diese anders? Wer weiß. Naheliegender ist, dass die Rolle bestimmte Kompetenzen erfordert oder man diese von Führungskräften erwartet. Und dass Frauen und Männer diese Erwartungen gleichermaßen erfüllen. Oder eben entsprechend ausgewählt werden.

Bleibt die letzte Frage: Gibt es Unterschiede bei den sozialen Kompetenzen zwischen Männern und Frauen ohne Führungsfunktion? Und siehe da: Hier häufen sich die signifikanten Differenzen, auch wenn sie wie oben jeweils eher gering sind. Bedeutet wohl tatsächlich, dass die Rolle Führungskraft schon einen Einfluss zumindest auf die Selbstwahrnehmung hat, oder eben, wie schon dargestellt, die Auswahl von Führungskräften bzw. die Entwicklung zur selbigen die Unterschiede verschwinden lässt. 

Für mich stellt sich nach wie vor die Frage, was solche Selbsteinschätzungsfragebögen erfassen. Beschreiben sich Menschen vielleicht vor allem so, wie es von ihnen in ihrer Rolle erwartet wird, ob nun in der Rolle „Mann“ bzw. „Frau“ oder eben in der Rolle Führungskraft – wobei letztere dann das Ergebnis stärker beeinflusst. Zu einfach?

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