12. Juni 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Feedback funktioniert nicht

INSPIRATION: Das ist bitter für alle, die sich eifrig bemühen, eine Feedback-Kultur zu fördern: Es kann nicht funktionieren. Warum? Weil Menschen, die kritische Rückmeldungen erhalten, sich neue Kontakte suchen. Je kritischer das Feedback, umso mehr mühen sich Mitarbeiter, andere Netzwerke zu schmieden und die Feedback-Geber zu meiden.

Forscher haben das Ergebnis in Laborexperimenten dann auch bestätigt (Feedback ist wirkungslos). Dabei suchten sich Teilnehmer, die für einen Text eine negative Rückmeldung erhalten hatten, für die nächste Aufgabe andere Partner.


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Das ist jetzt mal richtig dumm gelaufen, halten wir Feedback doch für unverzichtbar. Wie sonst können wir uns weiterentwickeln? Wie sonst rechtfertigen wir all die Tools und Verfahren, die einzig und allein dem Ziel dienen, dem anderen seine blinden Flecke aufzuzeigen? Dem Top-Manager die Chance zu geben, reinen Wein eingeschenkt zu bekommen?

Nur Positives zurückmelden ist kaum die Alternative. Kritisches in Lob einzupacken auch nicht. Das wird offenbar rasch durchschaut. Und genau da liegt auch die Lösung. Die Forscher haben festgestellt, dass wir immer dann mit Kritik umgehen können, wenn wir uns von dem anderen respektiert und anerkannt fühlen. So wie sich Paare – wenn es denn gut läuft – gegenseitig sagen können, was ihnen am anderen missfällt und nicht sofort nach neuen Partnern suchen.

Der Ausweg

Genau das passiert aber heute in anderen Bereichen ständig, in den sozialen Medien zum Beispiel. Ich umgebe mich mit Freunden und suche mir Gleichgesinnte – und schaffe mir meine Echokammer. Nur wer mich unterstützt, mir positive Rückmeldungen gibt, richtet mich auf und stärkt mein Selbstbild. Was aber dazu führt, dass ich keine Chance habe, mich wirklich zu entwickeln.

Was nun? Was machen wir mit unseren Trainings für Feedback? Mit unseren Feedback-Fragebögen und Feedback-Workshops? Wenn es stimmt, dass wir kritische Rückmeldungen dann anzunehmen bereit sind, wenn wir wissen, dass wir als Person von demjenigen, der uns kritisiert, geschätzt werden, kann das doch nur eines bedeuten:

Es ist eminent wichtig für Persönlichkeitsentwicklung, dass wir von Menschen umgeben sind, die uns wertschätzen UND in der Lage sind, unsere Schwächen zu erkennen und anzusprechen. In welchem Unternehmen wird bei der Auswahl von Feedbackgebern darauf geachtet? Wer kann überhaupt dafür sorgen? Im Grunde doch nur der Feedbacknehmer selbst, oder? Soll heißen: Wenn Sie möchten, dass Feedback ankommt, dann ermöglichen sie den Empfängern, sich die Feedbackgeber auszusuchen. Sich zu überlegen, von wem er sich respektiert und anerkannt fühlt und wem er gleichzeitig zutraut, ihm offen die Meinung zu sagen.

Was auf jeden Fall gegen 360-Grad-Verfahren spricht, bei denen von oben oder von wem auch immer festgelegt wird, wer die Fragen beantwortet. Wäre zumindest meine Schlussfolgerung.

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