23. Juni 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Fragen-Schwall

INSPIRATION: In einem Brainstorming geht es vor allem um Lösungsideen. Aber manchmal stockt der Fluss der Ideen. Statt ihn durch neue Fragen wieder anzuheizen, sollte man die Teilnehmer lieber auffordern, selbst Fragen zu stellen. Eine „neue“ MIT-Methode – zumindest wird sie im Harvard Business Manager als solche angepriesen (Besser Brainstormen). Schon witzig, dass ein MIT-Professor daraus nicht nur einen langen Artikel, sondern offenbar auch ein ganzes Buch macht.

Der Grundgedanke allerdings ist einleuchtend. Statt nach immer neuen Ideen für die Lösung eines Problems zu suchen, sollen die Teilnehmer neue Fragen stellen. Diese eröffnen den Blick für neue Perspektiven und Ansätze. Das fällt vielen Menschen schwer, denn wir sind gewohnt, auf Fragen zu antworten. Was bei der Vorgehensweise aber nicht gestattet ist. Sie läuft in drei Schritten ab:

  1. Vorbereitung: Sie suchen sich für Ihre Fragestellung zwei oder drei Mitarbeiter, Kollegen, externe Fachleute, die mit dem eigentlichen Problem nichts zu tun haben und es auch nicht aus eigener Erfahrung kennen. Zu Beginn des Treffens stellen Sie Ihr Problem kurz vor, dafür haben Sie ca. 2 Minuten Zeit. Nicht länger, so werden Sie gezwungen, nicht zu viele Details zu erklären, sondern nur die wichtigsten Punkte. Erklären Sie, was sich mit der Lösung des Problems verbessern würde und warum Sie bisher noch nicht weitergekommen sind. 
     
    Bevor es losgeht, erläutern Sie zwei Regeln: Es ist nur erlaubt, Fragen zu stellen, ohne diese zu beantworten. Zum anderen ist es nicht gestattet, die Fragen zu erläutern, zu rechtfertigen oder länger einzuleiten.

    Außerdem prüfen Sie sich vorher selbst, wie Sie sich in Bezug auf die Fragestellung fühlen: Positiv, negativ oder neutral – und erläutern Sie ganz kurz Ihre Stimmungslage. Das Gleiche machen Sie am Ende der Sitzung.

  2. Stellen Sie einen Wecker auf 4 Minuten, dann starten die Teilnehmer mit ihren Fragen. Diese werden protokolliert, am besten sichtbar über einen Beamer und möglichst wörtlich, nicht verkürzt. Kritik oder Kommentare zu den Fragen sind nicht gestattet – wie gesagt, das fällt schwer. Aber es geht darum, möglichst ne Aspekte anzuregen.
    Dabei geht es um Quantität – am Ende sollten es mindestens 15 Fragen sein. Zu lange nach Fragen zu suchen, funktioniert auch nicht, lieber einen Tag später noch einmal einen Versuch starten. Der Autor empfiehlt mindestens drei Frageschwall-Runden für ein Problem.
  3. Nun nehmen Sie sich die Fragen allein vor. Wählen Sie diejenigen aus, die von ihren bisherigen Überlegungen am weitesten abweichen oder bei denen Sie sich am wenigsten wohlfühlen. Diese hinterfragen Sie weiter, z.B. nach der 5-W-Methode (nach der Sie jede Antwort wieder mit einer Warum-Frage hinterfragen). Dabei wählen Sie einen Weg aus, den Sie bisher noch nicht probiert haben und verfolgen ihn konsequent weiter.

Der Autor ist übrigens der Meinung, dass man schon in der Schule beginnen sollte, Schüler zum Fragen zu animieren, statt ständig Antworten auf Fragen geben zu lassen. Da kann ich nur zustimmen – wir Menschen haben uns das Fragen und damit die Neugier, die Kindern zu eigen ist, leider abgewöhnt.

(Nach: Hal Gregersen – Besser Brainstormen. HBM 08/2018S. 18-27)

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