2. März 2024

Das Beste aus der Fachliteratur

Gute Frage

INSPIRATION: Ein Dauerbrenner, dieses Thema: Warum nehmen nach wie vor so wenige Väter die volle Elternzeit in Anspruch? Alte Rollenbilder, Chefs mit Vorurteilen und die Angst vor dem Karriereknick sind die wesentlichen Ursachen. Kleinere Betriebe machen vor, wie es besser geht. Aber  letztlich liegt es auch am Einzelnen, wie er seine Bedürfnisse kommuniziert.

Alle Jahre wieder werden ähnliche Artikel veröffentlicht, nämlich über Väter, die gerne mehr Zeit mit den Kindern verbringen möchten, aber fürchten, dass darunter ihre Karriere leidet. So tatsächlich auch passiert bei dem Mitarbeiter, von dem die Wirtschaftswoche berichtet (Wenn Mann raus ist, ist man raus). Er teilte sich mit seiner Frau die 14 Monate Elternzeit, übernahm sechs Monate die Betreuung der Kinder und wurde bei einer Umstrukturierung in seiner Firma nicht berücktsichtigt. Er wurde nicht mal informiert, dass sich etwas ändern würde. Und auf Nachfrage erhielt er von seinem Chef die Antwort, dass dieser seine „Orientierung hin zur Familie nicht nachvollziehen“ könne.

In Deutschland sind die gesetzlichen Voraussetzungen für die Väter mit „Familienambitionen“ gut, aber nur vier von zehn Vätern nehmen sie in Anspruch, wobei die „meisten nur die zwei Monate, die sonst verfallen würden“, nutzen. Daher werden sie auch gerne „Vätermonate“ genannt. Und das wird wohl inzwischen auch noch so grade akzeptiert, ohne dass es zu dem Eindruck führt, der Betreffende sei nicht an einer Karriere interessiert.

Ähnlich sieht es bei der Teilzeit aus: 6% der Väter mit kleinen Kindern arbeiten in Teilzeit, aber 69% der Mütter. Was wiederum eine Erklärung dafür ist, dass es so wenige Frauen in Führungspositionen schaffen. In dem Artikel werden kleinere Betriebe vorgestellt, in denen die Chefs ihren Mitarbeitern andere Möglichkeiten bieten. Sie zeigen Verständnis für Väter, die früher nach Hause müssen, akzeptieren Teilzeit – fordern dafür aber auch mehr Flexibilität, z.B. Arbeiten am Wochenende.

Bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft werden intern Rollenmodelle vorgestellt und Werbung dafür gemacht, seine Bedürfnisse zu formulieren. Also auch mal so mutig zu sein und sagen, wenn einem die Zeit für ein angesetztes Meeting nicht passt, weil man sein Kind vom Kindergarten abholen möchte. Nach wie vor aber ist das wohl ein Thema, das eher bei der Mutter angesiedelt wird, bei Vätern ist das Verständnis gering.

Bleibt als Fazit, dass es wohl noch eine Weile dauern wird, bis sich die Rollenbilder ändern. Daran mitwirken können die Unternehmen, vor allem in Form von Führungskräften mit Vorbildfunktion, aber auch die Betroffenen selbst. Indem sie zum Beispiel frühzeitig mit ihren Chefs sprechen, sich über ihre Ambitionen selbst klar werden und diese konkret formulieren. Und wenn sich herausstellt, dass bestimmte Positionen die Vereinbarkeit mit der Familie einfach nicht zulassen, sich genau diese Frage zu stellen: „Für welchen Job würden Sie auf Elternzeit und Zeit für die Familie verzichten?“ Der Vater in dem Artikel kam zu der Erkenntnis, dass er es „für keine noch so gut bezahlte Stelle mehr“ tun würde.

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