23. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Lügen und Körpersprache

KRITIK: Menschen lügen aus unterschiedlichen Motiven. Um Unannehmlichkeiten zu vermeiden, um uns in ein positives Licht zu rücken oder um dem anderen etwas Unangenehmes zu ersparen (auch „prosoziale Lüge“ genannt). Dann gibt es noch die Lüge, bei der man nicht absichtlich etwas Falsches sagt, aber bewusst etwas Wichtiges weglässt und genau weiß, dass der andere daraus die falschen Schlüsse zieht.

Und schließlich eine unter Politikern weit verbreitete Variante, das „Paltering“ (Paltering – wie man mit Wahrheiten lügen kann). Einen deutschen Begriff gibt es hierfür nicht. Gemeint ist, dass man auf eine Frage mit einer Wahrheit antwortet, die aber keine wirkliche Antwort auf die Frage ist. „Wie schmeckt dir mein Auflauf?“ Antwort: „Nudelauflauf ist meine Lieblingsspeise!“ Oder noch perfider: „Ist mein Baby nicht süß?“ Antwort: „Ganz die Mutter.“ Das mag stimmen, umgeht die Frage. Achten Sie mal darauf, wie oft Politiker in Interviews diese Technik einsetzen.


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Aber aus welchem Motiv auch immer wir uns vor der Wahrheit drücken – kann man das irgendwie erkennen und sich schützen? Es gibt ja Menschen, bei denen gehört es zum Job, belogen zu werden. Solche Experten hat man in Studien falsche und wahrheitsgetreue Aussagen im Labor beurteilen lassen – alle (bis auf Geheimagenten) versagten dabei (Lügen im Alltag) – spricht nicht für die Aussage, man könne an irgendetwas erkennen, ob jemand lügt oder nicht.

Dennoch wird genau das immer wieder behauptet. Zwar sagt niemand, dass das einfach sei. Im Gegenteil: Man muss sich von den Fachleuten intensiv trainieren lassen – aber dann sei das möglich. Wobei erst einmal mit Mythen aufgeräumt wird. So gibt es keinen Zusammenhang zwischen Lügen und Nervosität. Menschen können zwar Nervosität erkennen, aber diese trat in Experimenten bei Lügen nicht häufiger aus als wenn die Wahrheit gesagt wurde (Lügen im Alltag).

Noch mehr Mythen: Menschen können die Blickkontakt nicht halten, wenn sie lügen. Stimmt nicht. Ebenso falsch: Wer lügt, blickt nach rechts oben. Oder: Beim Lügen nehmen die Beruhigungsgesten zu – also Menschen kratzen sich häufiger am Kopf. Alles falsch (Der Wahrheit auf der Spur). Dennoch verhalten sich Menschen anders, wenn sie lügen: Menschen müssen mehr nachdenken, bevor sie lügen, also brauchen sie mehr Zeit zum Formulieren ihrer Aussage. Der Effekt soll nicht sonderlich stark sein, aber er lässt sich wohl nachweisen (Das Forschungstelegramm).

Das wiederum kann der gewiefte Lügenentlarver nutzen. Dirk Eilert beschreibt in „Die Mediation“, dass man sich selbst davor schützen kann, „in Gesprächen hinters Licht geführt zu werden.“ Das Beispiel dazu klingt überzeugend: Er fragte seine kleine Tochter im Restaurant, ob er ihr halbes Brötchen essen dürfe. Sie bejahte, schüttelte aber leicht den Kopf. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass sie dachte, man könne nichts mehr nachbestellen. Eine nett gemeinte Lüge, weil er sie „erwischt hatte“, war beiden gedient.

Aber wie sollen wir das lernen, wenn es keinen eindeutigen Signale gibt? Man muss die „nonverbale Baseline der Wahrheit“ erkennen. Soll heißen: Wir stellen Fragen, auf die der andere ohne Probleme die Wahrheit sagen kann und wo wir auch wissen, dass die Antworten stimmen. Dabei beobachten wir ihn und erkennen, wie er reagiert, wenn der die Wahrheit spricht. Da der andere ja bei Fragen, auf die er mit einer Lüge reagiert, angestrengter nachdenken muss und mehr Zeit benötigt, werden wir nach entsprechendem Training diesen feinen Unterschied in der Reaktion erkennen. Der Effekt wird noch stärker, wenn sie ungewöhnliche Fragen stellen. Im Grunde das Prinzip des Lügendetektors.

Und dann kommen sie doch noch, die nonverbalen Anzeichen für Lügen: Wer Angst hat, beim Lügen erwischt zu werden, zieht die Augenbrauen hoch und zusammen. Wer ein schlechtes Gewissen hat beim Lügen, zieht die Innenseiten der Augenbrauen schräg hoch. Studien zeigen, dass man durch Beochtung dieser „Mikroexpressionen“ zu 78% Lügen von der Wahrheit unterscheiden kann.

Ich habe meine argen Zweifel. Wo ich dem Autor zustimme: Niemand sollte jetzt durch die Gegend laufen und seine Mitmenschen beim Lügen erwischen wollen. Er empfiehlt eine Haltung als „Detektiv unausgesprochener Bedürfnisse„, wir sollen hinter den Lügen also die wahren Bedürfnisse erkennen, und das fördert die positive Gesprächsatmosphäre. Ob dazu nicht einfach die Fähigkeit der Empathie genügt?

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