17. Juli 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Mit dem Schwarzen Peter hausieren gehen

INSPIRATION: Im Arbeitsalltag lauern etliche Fettnäpfchen. Die Wahrscheinlichkeit, in Machtspiele verwickelt zu werden, ist jederzeit gegeben. Was tun? Als erstes muss man überhaupt realisieren, dass man in ein solches Spiel verwickelt wird. Manche erleben zwar ihren Arbeitsalltag als unangenehm und konflikthaft, erkennen aber nicht das Spiel, gibt Autor Matthias Nöllke (Machtspiele im Management) zu bedenken. Spiel heißt: Es gibt Regeln, Spielerinnen und Gegenspieler, typische Spielzüge und Gegenzüge. Das Ziel lautet – wie bei vielen Spielen: Man will gewinnen. Die Spiele zeichnen sich durch eine Doppelbödigkeit – einen Schwindel – aus. Man nimmt es ernst, muss es aber nicht. Man macht sich etwas vor oder den anderen. Bewusste und unbewusste Motive geben sich die Klinke in die Hand.

Machtspiele gibt es in allen möglichen Varianten. Welche im Unternehmen gespielt werden, hängt auch von der Organisationskultur ab. Der Autor stellt vier Spiele vor, zwei Boss-Spiele („Knicktest“ und „Durch Lob verbrennen“) und zwei Soft-Power-Spiele („Eigenverantwortung“ und „Stühle wechseln“).


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4 Machtspiele

Mit dem Knicktest will der Chef den (neuen) Mitarbeiter testen, wie er mit Belastungen umgeht und ob er loyal ist. Dafür wird der Mitarbeiter in eine unangenehme und überfordernde Situation gebracht. Und da diese unmöglich zu bestehen ist, dient das Spiel auch dazu, den Mitarbeiter „einzunorden“, ihm einen Dämpfer zu verabreichen. Was macht nun der Mitarbeiter? Verliert er die Nerven? Schimpft er auf den Chef oder fällt er ihm in den Rücken? Oder schafft er es, sich irgendwie aus der Affäre zu ziehen? Man kann nur scheitern, ist die klare Erkenntnis. Aber das sollte man dann souverän tun. So hat man den Test bestanden.

Beim Spiel Durch Lob verbrennen wird man vor versammelter Mannschaft in den höchsten Tönen gelobt – aber es folgen keine Konsequenzen. Nicht für den so Gelobten, aber die anderen Kollegen reagieren mit Neid und Missgunst. Man wird zur Zielscheibe. Beides, das Lob und der Neid, sind grundlos. Das eigentliche Ziel war jemand anderes, der nicht gelobt wurde. Damit eröffnet sich auch ein Ausweg: Indem man das Lob weiter verteilt, gerät man aus der Schusslinie. Alternative: Ansprüche stellen, die das Lob begründen. Das wirkt dann als Offenbarungseid für den Lobspender.

Mit dem Spiel Eigenverantwortung wird dem Mitarbeiter Verantwortung zugeschoben für Ergebnisse, die der Chef will, aber delegiert. Die Mitarbeiter sollen selbst entscheiden, wie sie das Ziel gut erreichen. Der Chef ist fein raus und entzieht sich seiner Verantwortung. Er will die Mitarbeiter nicht bevormunden, sagt er vielleicht noch überflüssigerweise. Und diese machen sich nun den Druck selbst, schieben Überstunden und Wochenendschichten. Man kann das auch Selbstausbeutung nennen. Dagegen hilft nur, Forderungen zu stellen, eigene Interessen anzumelden, Ziele mit dem Kontext harmonisieren. Oder defensiv abtauchen und Aktivismus vortäuschen. Manche verlassen auch solche Organisationen.

Durch einen taktischen Perspektivenwechsel – Stühle wechseln – mimt der Chef Verständnis und Empathie mit der Situation der Mitarbeiter: „Ich an Ihrer Stelle wäre jetzt auch enttäuscht …“ Und dann folgt das unvermeidliche „Aber“. Die Mitarbeiter sollen nun auch Verständnis für den Chef entwickeln. Ihm bleibe schließlich keine Wahl, er habe Schlimmeres schon abgewendet. Und ob da jemand etwa eine bessere Idee habe… Der Chef signalisiert, dass er mit seinem Latein am Ende ist und lädt den Schwarzen Peter bei den Mitarbeitern ab. Die wären gut beraten, diese Karte nicht aufzunehmen.

Sind diese Spiele nun anständig? Sollte man sie nicht besser lassen? Autor Nöllke zitiert den Schlawiner Groucho Marx: „Worauf es im Leben ankommt, das ist, ehrlich zu sein und fair mit anderen umzugehen. Wenn Sie das vortäuschen können, haben Sie es geschafft.“

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