KRITIK: Wo Menschen aufeinandertreffen, ringen sie um Macht. So kann man den Beitrag eines Betriebswirtschaftsprofessors zusammen fassen, der in der managerSeminare erschienen ist (Rangunterschiede gibt es auch in flachen Hierarchien). Und weil das so ist, entstehen ganz zwangsläufig Rangunterschiede, selbst wenn man versucht, diese durch die Abschaffung von Hierarchien zu vermeiden. Stichworte: Augenhöhe und flache Hierarchien. Man tut zwar so, als habe man so etwas wie Über- und Unterordnung abschafft, spricht nicht mehr von „Vorgesetzten“ oder „Abteilungsleitern“. Selbst dort, wo es diese noch gibt, liest man in Stellenbeschreibung von „berichtet an“. Gemeint ist aber das Gleiche.
Die Argumentation ist folgende: Egal, wie eine Organisation aufgestellt ist, es finden Statuskämpfe statt. Wobei die Kriterien, mit denen man sich misst, unterschiedlich sein können: Dienstalter, Kompetenz, Leistung, persönlicher Einsatz, Eigentum, familiäre Herkunft („Sohn des Chefs“). Nachvollziehbar. Aber was bedeutet denn überhaupt „Statuskampf“? Ganz einfach: Es geht darum, wer anführt und wer ausführt. Wer anderen also sagt, was sie zu tun haben, und wer tut, was andere ihm sagen.
Formale Hierarchien versuchen, diese Beziehung festzuschreiben. Da ist klar: Teamleiter führen an, Teammitglieder führen aus. Auch wenn das natürlich in der Praxis längst nicht so ist, denn da finden sich die gleichen Kriterien wie oben. Da sagt häufig auch der Dienstälteste, wie etwas zu laufen hat. Ihm ist es egal, „wer unter ihm Chef ist“. Was ist nun das Problem in „hierarchielosen“ oder „hierarchiearmen“ Strukturen?
Rangfolgen anerkennen?
Dass so getan wird, als gebe es diese Unterschiede nicht und sie deshalb im Untergrund ablaufen (was, wie soeben angeführt, auch in hierarchischen Strukturen passiert, da kämpfen dann informelle Führer auch noch gegen die formellen). Rat des Professors: Man sollte anerkennen, dass es diese Rangfolgen gibt und lernen, sie zu erkennen. Warum das wichtig ist? Weil es immer mal wieder zu „Überkreuzdominanzen“ kommt. Gemeint ist: Zwei Teammitglieder rangeln um die Leitung eines Projektes. Der eine, weil er sich für den Kompetenteren hält, der andere, weil er sich stets besonders engagiert.
Was passiert nun in hierarchischen Organisationen? Die Leitung verkündet, wer den Auftrag bekommt. Damit sind die Rangeleien natürlich nicht beseitigt. Und in hierarchiearmen Organisationen? Da muss man sich auf Kriterien einigen. Was auch funktioniert – verhindert aber auch nicht, dass weiterhin ge…
