18. Juli 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Rattle the Cage

INSPIRATION: Artikel über Design faszinieren mich immer wieder, meist aber scheinen sie mir als MWonline-Thema nicht ergiebig genug. In diesem Fall ist das etwas anders, denn es geht um Grundsätzliches. Was ist die Aufgabe modernen Designs? Und zu welchen Konflikten führt das? Im Schwerpunkt der Brand eins finden sich zwei Beiträge über höchst interessante Ideenschmieden. 

Die erste heißt Designworks und gehört inzwischen zu 100% zu BMW, arbeitet aber nicht nur für den Fahrzeughersteller (Kreatives Zündeln). In ihr wird etwas kultiviert, was den Namen „Streitkultur“ tatsächlich zu rechtfertigen scheint. Das Motto lautet „Rattle the Cage“. Die Aufforderung an die Kreativen lautet, sich über Grundsätzliches zu streiten. Jeder soll emotional für seine Ideen eintreten. Damit es nicht vorschnell zum Konsens kommt, werden hier Designer aus sehr unterschiedlichen Disziplinen zusammen gebracht. Das führt dazu, dass jeder in neuen Projekten aus seiner gewohnten Expertenrolle fällt.


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Produktives Streiten lernen

Auch eine schöne Beschreibung für das Prinzip: Reibung und Konflikte sollen hier wie beim Aneinanderschlagen von zwei Feuersteinen funktionieren – richtig angewendet sprühen die Funken. Die Kunst dabei ist, dass niemand gekränkt aus den Diskussionen hervorgeht, weil seine Ideen nicht gewürdigt werden. Das aber ist wohl heute deutlich anspruchsvoller als sonst, denn es geht inzwischen nicht mehr ausschließlich um das Gestalten von Gegenständen, sondern tatsächlich um „grundlegend neue Lösungsansätze für morgen und übermorgen“. Da ist man schnell bei der Frage, wie wir in Zukunft leben wollen, es geht um Nachhaltigkeit, Klimaschutz, um Politik. Und spätestens dann besteht die Gefahr, dass man sich ineinander verkeilt. 

Zumal es zwar schön ist, komplett Neues zu denken, aber auch noch die Produkte von heute weiter entwickelt werden sollen. Beim Automobil zum Beispiel können die Designer zwar futuristische Städte und Mobilitätskonzepte entwickeln, aber der bombastische SUV, der aktuell für hohe Umsätze und Gewinn sorgt, soll auch nicht zu kurz kommen. Da gibt es dann wohl auch Spannungen zwischen den Generationen: Die Jüngeren sind ungeduldiger,

fragen, ob man genug für den Wandel tue, während die Älteren argumentieren, dass, wer an Übermorgen denkt, sich vor den Problemen der Gegenwart drückt. 

So ist es nachvollziehbar, dass immer mal wieder die Erfahrung gemacht wird, dass sich zukunftsweisende Designs bei Kunden nicht durchsetzen lassen. Was zum „Maya-Prinzip“ führt: „Most advanced yet acceptable“. So innovativ wie möglich, dass es gerade noch akzeptiert wird. Ich kann mir die Diskussionen lebhaft vorstellen.

Denkanstöße

Noch radikaler scheint es bei der Agentur namens NVGTR zuzugehen. Dort kümmert man sich offenbar nicht sonderlich um das Maya-Prinzip, sondern geht gleich mit dem Anspruch an Aufträge, dass alles, was man macht, nachhaltig, sinnvoll, visionär, wandelbar und trotzdem anfassbar ist. Man designt nicht für die Welt, wie sie ist, sondern wie sie sein sollte (ICE aus der Petrischale). Natürlich kennt man auch hier den Spagat: Man designt für die Zukunft, aber wenn das Produkt heute noch nicht funktioniert – wer zahlt dann für die Leistung? Offenbar viele, denn die Agentur scheint Aufträge zu haben. Im Zweifelsfall begnügt man sich damit, wenigstens Denkanstöße geliefert zu  haben. 

Praktische Produkte aus dem Hause werden hier aber auch vorgestellt: Sitzschalen für Stadtbusse zum Beispiel, die leichter, bequemer und vollständig recyclebar sind. Ein Prinzip: Aus supersimplen Materialien komplexe Formen erstellen – früher war das mitunter andersherum. Oder Stehhilfen in öffentlichen Verkehrsmitteln, die sogar für mehr Platz in den Fahrzeugen sorgen. 

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