5. April 2025

Management auf den Punkt gebracht!

Selbstreferenzielle Legitimation

INSPIRATION: Wieder mal ein schönes Beispiel für die einfache Erkenntnis, dass jede Sache so ihre zwei Seiten hat. Es gibt Situationen, wo Intuition uns hilft, eine gute Entscheidung zu treffen. In anderen hingegen führt sie uns auf die falsche Fährte. Interessante Einsichten aus der Welt der Polizisten.

Das Interview mit einem Soziologen und ehemaligen Polizisten erschien in der Brand eins (Bauchgefühl macht blind) und ist insgesamt sehr lesenswert (vor allem die Passagen über gesellschaftliche Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf die Polizeikultur!). Spanned aber auch die Aussagen über die Rolle der Intuition bei Entscheidungen, die Polizisten oft sehr schnell und ohne langes Überlegen treffen müssen.


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Darin taucht das Beispiel eines Kollegen auf, der bei einem Einsatz wegen Ruhestörung mit großer Sicherheit wusste, was zu tun war: Ermahnen, Stereoanlage beschlagnahmen oder Verstärkung rufen. Er wusste es einfach ohne erklären zu können, warum. Dahinter stecken jahrelange Erfahrungen, die wir zu einem Muster verknüpfen. Dann gleichen wir unsere Beobachtungen intuitiv mit diesem Muster ab und entscheiden umgehend. Das hilft uns in solchen Situationen, in denen es keine Zeit für langes Abwägen gibt, sehr.

Reflektierte Intuition

Was aber, wenn wir mehr Zeit haben? Zum Beispiel im Einstellungsinterview? Auch dann hilft uns unsere Erfahrung mit Kandidaten und Mitarbeitern sicher sehr, um zu einem raschen Urteil zu gelangen. Aber ist das sinnvoll? In dem Interview zeigt Rafael Behr, wie diese Erfahrungen dazu führen können, sich selbst zu verstärken. Wenn Polizisten immer die gleichen Personengruppen (Stichwort „Social Profiling“) kontrollieren und dann Verdächtige erwischen, verstärkt diese Erfahrung das Muster, sie werden also weiter die gleichen Gruppen kontrollieren. Behr nennt das „selbstreferenzielle Legitimation“. Wie gravierend solche Prozesse sich auswirken können, beweist die Blindheit bei den Ermittlungen der Mordserie der NSU.

Und wir Personaler? Wir müssen selten Entscheidungen aus dem Bauch treffen. Auch wenn Wolfgang Frick im Personalmagazin (Klarheit statt Qual der Wahl) anmahnt, Entscheidungen zeitnah zu treffen, so haben wir in der Regel die Möglichkeit, unsere intuitiven Präferenzen zu überprüfen. „Reflektierte Intuition“ nennt Behr das. Polizisten lernen in Trainings zur Ermittlungsarbeit, Alternativen zu durchdenken. Wäre vielleicht auch für Personaler sinnvoll, oder? Hin und wieder die eigene Erfahrung in Frage stellen und üben, wie man in Alternativen denkt…

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Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

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