27. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Soziale Leere

INSPIRATION: Eine interessante Entdeckung: In Zeiten von Corona wäre es einfacher, wenn jeder Mitarbeiter ein Einzelbüro hätte. Aber diese gibt es in vielen Unternehmen nicht mehr, Bürolandschaften mit offenen Flächen und wechselnden Arbeitsplätzen dominieren die Szene. Man könnte sie einsparen und alle im Homeoffice lassen. Will man das? Anbieter von Büroausstattungen glauben nicht, dass die Bürolandschaften nun wieder in Einzelbüros umgewandelt werden, und sie glauben auch nicht, dass nun massiv Büroflächen eingespart werden, auch wenn das die Kosten erheblich reduzieren würde (Ausweichen statt begegnen).

So viel scheint aber klar zu sein: Zum Zustand vor Corona wird man nicht zurückkehren, das Homeoffice dürfte erheblich an Attraktivität gewonnen haben, allein das ständige Pendeln zum Arbeitsplatz dürften die meisten kaum vermisst haben. Andererseits sind aber auch die Nachteile deutlich geworden: Nicht jeder hat zu Hause optimale Bedingungen, vor allem aber: Videokonferenzen ersetzen nicht die realen sozialen Kontakte. Auch nicht zu unterschätzen: Das Büro ist der Ort, der für die Firma steht, mit der man sich identifiziert. Dieses Zugehörigkeitsgefühl wird kaum entstehen, wenn alle zu Hause sitzen. So angenehm das mobile Arbeiten auch ist, es fehlt die Bindung an eine Gemeinschaft, die ein Unternehmen nun mal auch darstellt.

Was also wird passieren, wenn die Kontaktbeschränkungen entfallen? Bleiben die schönen Bürolandschaften ein Ort der „sozialen Leere“, an denen einige einsame Gestalten hocken? Einerseits, so die realistische Prognose, wird der Arbeitsplatz flexibler definiert werden. Mitarbeiter werden viel mehr als vorher die Wahl haben, von zu Hause oder vor Ort zu arbeiten. Der Verlockung, Bürofläche einzusparen, werden etliche Unternehmen vermutlich auch erliegen – was ja auch sinnvoll erscheint, wenn ein Teil der Belegschaft nur noch zeitweise im Unternehmen auftaucht.

Wie aber wird der dann verbleibende Raum genutzt? Einen interessanten Aspekt entnehme ich dem Beitrag in der Personalwirtschaft: Die Unternehmen werden den Zweck und die Funktion des Büros neu definieren müssen. Bisher war klar: Ein Büro ist ein Ort, an dem man eine Tischfläche mit einem Bildschirm und ein paar Schubfächern vorfindet sowie einem Stuhl davor, auf dem man eine bestimmte Zeit sitzt und Vorgänge bearbeitet.

Mit den offenen Büro wurde der Erkenntnis Rechnung getragen, dass ein Büro deutlich mehr ist, es nämlich die Möglichkeit bietet, ohne feste Termine und angesetzte Meetings mit anderen in Kontakt zu treten, sich auszutauschen, mitzubekommen, an welchen Themen andere arbeiten und sich gegenseitig zu unterstützen. Also ein Ort der sozialen Interaktion und der Entwicklung neuer Ideen.

Wenn also die reine Schreibarbeit wunderbar von zu Hause erledigt werden kann und sogar Meetings via Videokonferenz zeitlich und inhaltlich sehr gut strukturiert abgehalten werden können – wie könnte ein Büro vor Ort dann aussehen, um den Aspekt der Interaktion und Identifikation zu berücksichtigen? Die befragten Unternehmen geben zu, dass sie zur Zeit nach Antworten suchen. Dass man nun nur noch Fußballkicktische aufstellt und Kaffee-Ecken einrichtet, damit die Mitarbeiter sich zu einem netten Beisammensein einfinden, ist sicher keine Alternative.

Mir fällt da ein, dass ich vor Corona ganz gut mit Buch oder Zeitschrift in Café sitzen und arbeiten konnte, ohne dass mich das Treiben um mich herum gestört hat. Obwohl ich zu Hause auch einen guten Kaffee zubereiten und gemütlich auf dem Sofa sitzen kann. Oder dass Studenten sich in die Uni-Bibliothek setzen, um ihre Hausarbeiten zu erstellen, obwohl sie in der eigenen Bude auch ungestört sind. Vermutlich werden sich also die Konzepte noch einmal verändern. Man wird versuchen, „mehr Gemeinschafts- und Austauschflächen“ zu schaffen, mit wenigen Rückzugsorten für diejenigen, die eher schlecht zu Hause arbeiten können. Es wird darum gehen, den Mitarbeitern eine Atmosphäre zu bieten, die sie schätzen, weil sie sich dort wohl fühlen, weil sie dort Kollegen treffen und sich als Gemeinschaft fühlen können. Dazu kann Architektur und Raumgestaltung eine Menge beitragen.

Klar, dass dieser Ort nicht überall gleich aussehen wird. Aber das wäre ja auch ziemlich trostlos…

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