24. April 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Wilde Ehe

INSPIRATION: Ein Unternehmen, die Hypoport SE, gründet ein Tochterunternehmen (Corporate Functions) aus und versucht, dort Holakratie umzusetzen. Zunächst geht man strikt nach den Vorschlägen des Holakratie-Entwicklers Brian Robertson vor. Doch erzeugte dies schnell Unmut und Widerstand. Letztlich entstehen zwei Welten, die sich in der Nutzung des Tools holaspirit unterscheiden. Die einen hatten dort „die gesamte Governance sowie die kreisbezogenen Projektboards des holakratischen Teils der Organisation abgebildet“ – die anderen waren außen vor. Es wird schnell klar, dass viel zu wenige Mitarbeiter über Holakratie-Wissen verfügen. Und belastbares Implementierungswissen, auch allgemein über Organisationsentwicklung, fehlt auch. Was nutzt also die schöne Theorie, wenn sie nicht „automatisch“ Praxis werden will? Wie bringt man die Idee so an den Mann und die Frau, dass sie angenommen wird? Die Mitarbeiter wollen ja nicht zwangsbeglückt werden.

Ein Lösungsweg eröffnet sich darin, nicht nach der „reinen Lehre“ vorzugehen und die Differenz zwischen dem Einzelnen und der Organisationsform zu thematisieren (Beherzte Holakratie wagen). Autorin Stephanie Nowicki bringt das knackig auf den Punkt: „Der Tanz um dieses bewusste ‚Ja‘ ist seit der Ausgründung Kernelement der Holakratie in der Hypoport hub SE. Um es explizit auszudrücken: Wir leben ‚mit‘ der Holakratie und vielfach Nutzen ziehend ‚aus‘ der Holakratie. Vor allem jedoch leben wir in wilder Ehe. Und das ganz bewusst.“ Damit eröffnete sich ein Lernraum, der mit Trainings und anderen Elementen gefüllt wurde. Experimentieren und Einbeziehen wurden Themen. Wer experimentiert, darf Fehler machen und deshalb darf Humor nicht fehlen. Eine ganze Palette an neuen Formaten wurde zur Verfügung gestellt: Vom Coaching über Struktur- und Prozessanalyse, ein Tagebuch-Tool, eine Hotline, ein Purpose-Workshop, eine Rollenwerkstatt sowie etliche symbolische Aktionen. Eine spannende Sache im wortwörtlichen Sinne. Es geht mehr um das bewusste Prozesserleben als um fertige Ergebnisse – die ja eh nur Etappen sind.


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Ein weiteres Implementierungsbeispiel zu Holakratie, das die praktischen Schwierigkeiten benennt, die andernorts (Nicht mit dem Rasenmäher) schon diskutiert wurden. Beeindruckend daran ist die offene und beharrliche Weise des Umgangs mit dem Thema Organisation. Der Wille, dicke Bretter zu bohren, und die Reise als Reise zu betrachten – und nicht als Schalter umlegen.

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