KRITIK: Das war ja zu erwarten: So wie man Produkte und Dienstleistungen im Internet bewerten kann, so lassen sich auch Mitarbeiter bewerten. Bei einem Internetunternehmen wie Zalando ist das irgendwie konsequent. Die Folgen sind laut einer „Studie“ übel: Von Überwachung, Leistungsdruck und Stasi-Methoden ist die Rede (So überwacht Zalando seine Mitarbeiter).
Ich habe in der Vergangenheit viel mit solchen „Instrumenten“ experimentiert. Auch damals gab es kritische Stimmen, die beiden wichtigsten Einwände waren immer diese:
Anzeige:
Die Arbeitswelt braucht agile Coachs, um Selbstorganisation, Innovation und neues Rollenverständnis zu implementieren. Die Neuerscheinung „Agiler Coach: Skills und Tools“ liefert für jeden agilen Coach eine beeindruckende Bandbreite an Grundlagen, Methoden und Werkzeugen für die Team- und Mitarbeiterentwicklung im agilen Arbeitsalltag. Zum Buch...
- Die Anonymität solcher Befragungen macht Verleumdungen wahrscheinlich, Menschen könnten von missgünstigen Kollegen zu Unrecht kritisiert werden.
- Durch solche Verfahren werden Menschen dazu erzogen, es allen recht machen zu wollen, was Querdenker und Leute, die auch mal anecken, mundtot macht.
Für mich gab es immer einen weiteren gravierenden Einwand: Quantitative Verfahren, bei denen der Beurteiler einzelne Items mit „Noten“ bewerten (Rating-Verfahren) sind wenig aussagekräftig, weil niemand weiß, was hinter dem jeweiligen Wert genau steckt. Diese Werte dann zu mitteln und mit den Ergebnissen anderer zu vergleichen, gaukelt Objektivität vor, die definitiv nicht gegeben ist. Aus diesem Grunde habe ich nur noch qualitative Verfahren eingesetzt, bei denen diese Feedbacks per Freitext gegeben werden müssen.
Ewig gleiche Denkfehler
Was ich über das System bei Zalando, das sich Zonar nennt, gelesen habe, deutet darauf hin, dass hier die Erkenntnisse, die es schon lange gibt, völlig außer acht gelassen wurden. Und die ewig gleichen Denkfehler gemacht werden. Als da wären:
Die Personaler reden von „Feedback“, das den Menschen hilft, sich weiter zu entwickeln – es sei ein wichtiger Bestandteil des Talentmanagements. Aber Feedback ist per Definition freiwillig – sowohl auf Seiten der Feedbackgeber als auch -nehmer, sonst ist es wertlos. Bei Zonar aber handelt es sich eindeutig um Beurteilungen. Beurteilungen vergleichen den Gegenstand der Bewertung mit anderen, in diesem Fall die Mitarbeiter untereinander. Sie ermöglichen die Einteilung in Klassen. Wie es aussieht, sind das bei Zalando drei Klassen: Herausragend, stark und verbesserungsfähig. Und Beurteilungen haben Konsequenzen, zum Beispiel für das Gehalt…
