20. Juni 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Am Riemen reißen

SATIRE: Das mag ich: In der Politik wird – mal wieder – eine steile, populistische These aufgestellt – und ein Wissenschaftler ist zur Stelle und zerlegt das Thema mit einer paar Handstreichen noch ehe es den Boden berührt hat. Bravo!

Mehrarbeit soll das Problem des Facharbeitermangels beheben. Auf eine solche naive Idee kann man am Stammtisch nach dem zwölften Bier offensichtlich leicht kommen. Da rechnet man sich die Lage passend zurecht, macht aber zumeist die Rechnung ohne den Wirt. Da wären zunächst die Restriktionen, die das Arbeitszeitgesetz hierzulande definiert, zu nennen – wir sind halt nicht in Belgien: Hic Rhodos, hic salta! Seit über 50 Jahren beschäftigen sich Wissenschaftler mit Themen wie der Vier-Tage-Woche, aber man will ihnen nicht zuhören. Die Gnade der späten Geburt: Von nichts eine Ahnung, aber zu allem eine Meinung.

Simon Werther, der Wirtschaftspsychologe aus München, streicht die alten Befunde (Mehr Arbeit ist auch keine Lösungden Nachgeborenen genüsslich aufs Brot. Was ist das Problem? Geht man vom Standardarbeitszeitmodell weg, erhöht sich schnell die Komplexität. Zudem gehen hybride Lösungen schnell mit gesundheitlichen Belastungen einher: Lange Arbeitszeiten korrelieren mit koronaren Herzerkrankungen und einem erhöhten Schlaganfallrisiko. Vermutlich kommen hier noch weitere Risiken hinzu: Rückenprobleme, Probleme mit dem Atmungssystem sowie psychische Erkrankungen.

Schnelle und einfache Lösungen?

Und dann muss man den politischen Rundumschlag auch mal differenziert betrachten. One-Size-fits-all ist eine Illusion. Es gibt Unterschiede zwischen Mitarbeitenden und auch zwischen Generationen. Und damit soll nicht dem Generationen-Cluster-Quatsch (Gen Y etc.) gefrönt werden (Die Wanderdüne beobachten). Lassen wir die Legenden beiseite. Die Kohorten sind nicht homogen. Das ist in der Wissenschaft nichts Neues. Man wird Menschen, denen Freiheit und Selbstbestimmung sehr wichtig sind, mit einer 42-Stunden-Woche nur abschrecken – aber auch mit starren Arbeitszeiten. Und diese, denen Kompetenzentwicklung und das Erleben von Bedeutsamkeit in der Arbeit wichtig sind, findet man in allen Altersgruppen. Nicht nur unter Hipstern.

Interessant ist doch, so Werther, dass Leute, die die 42-Stunden-Woche fordern, das herrschende Wirtschaftssystem nicht in Frage stellen. Ein Denkfehler. Ist es nicht auch 50 Jahre her, dass der Club of Rome den Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ veröffentlichte? Ein Schelm, der das schon wieder vergessen hat. Fridays for Future und andere erinnern derzeit wieder genau an den Knackpunkt. „Die Forderung nach Mehrarbeit löst aufbauend auf diesen Überlegungen zum Wachstumsparadox kein Problem, sondern schafft eher neue Probleme“.

Und so kann man in diesem Sinne den Kanon von radikal einfachen Problemlösungen noch erweitern: Zuwanderer sollen das Problem des Fachkräftemangels lösen. Und Rentner sollen länger arbeiten (müssen) et cetera. Kurieren an Symptomen hat noch keine Ursache behoben. „Die Arbeitszeitfrage ist hier nur eine Stellschraube von vielen.“ Und die Frührentner haben die Antwort an die Gen Y doch längst gegeben: Ihr wollt uns Baby Boomer nicht mehr? Kein Problem: Wir sind dann mal weg … Viel Spaß noch! Und auf die Enkel aufzupassen, haben wir auch nur begrenzt Lust.

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