21. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Anreize für Nachhaltigkeit?

Satire: Sie können nicht anders, die Vertreter von Anreiz- und Vergütungssystemen, sie möchten weiter steuern und lenken und am liebsten mit Geld. Da das ja so wunderbar funktioniert (eben garnicht oder schlimmer: Mit üblen Nebenwirkungen) – warum dann nicht auch bei Nachhaltigkeitszielen? Da fällt es mal wieder schwer, sachlich zu bleiben.

Es beginnt schon mit der Einleitung. CSR-Ziele haben in der Unternehmensstrategie aktuell einen hohen wirtschaftlichen Wert (Nachhaltigkeit als Vergütungsziel). Soll heißen: Im Moment lohnt es sich für Unternehmen auch finanziell, sich für das Thema zu engagieren. Weil Investoren, Kunden und Bewerber plötzlich darauf achten, ob ein Unternehmen sich für die Umwelt und soziale Themen einsetzt. Wer da nichts oder wenig vorzuweisen hat, der wird das im Ergebnis zu spüren bekommen.


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Das ist doch prima, denke ich, wenn ich auch das „aktuell“ nicht mag. Klingt so nach einer Modewelle, die irgendwann vorüber geht. Aber immerhin – wenn sie die Rahmenbedingungen ändern, Unternehmen ohne entsprechende Strategie eine Investoren, Kunden oder Mitarbeiter mehr finden, wäre das Problem doch gelöst. Wozu muss man dann die Manager und Mitarbeiter noch „anreizen“? Tatsächlich lautet die Empfehlung hier: Zielvereinbarungen, verbunden mit variabler Vergütung oder Prämien. Also z.B. „Reduzierung des Eigenstromverbrauchs“, „Einkauf nachhaltiger Ressourcen“, „CO2-Neutralität“, „Förderung sozialer Projekte“ usw.

Weil man da offenbar nicht allzu viele Beispiele gefunden hat, tauchen auch die folgenden auf: Reduzierung des Materialverbrauchs, Kosten- und Prozessoptimierungen, Reduzierung von Arbeitsunfällen. Ein Unternehmen, das seinen Mitarbeitern Prämien zahlt, wenn sie Ideen beisteuern, die zu Einsparungen führen, ist also um Nachhaltigkeit bemüht.

Irgendwie scheint sich das Bild des Managers und des Mitarbeiters als Wesen, das nur dann sein Verhalten ändert, wenn man mit Prämien lockt, nicht auszurotten zu sein. Mal ganz drastisch: Ihr Kind schmeißt das Papier des Schokoriegels regelmäßig achtlos auf die Straße. Was tun sie, wenn sie Anhänger von Anreizsystemen sind? Sie vereinbaren mit ihm, dass es für eine Reduktion des auf die Straße entsorgten Mülls eine Geldprämie erhält.

Halt, werden Sie einwenden. Es funktioniert doch tatsächlich. Wenn Kunden anfangen, Produkte zu ignorieren, weil sie nicht nachhaltig gefertigt oder in Kinderarbeit erstellt wurden, dann ist das doch das Gleiche: Erst wenn sie Konsequenzen spüren, reagieren Menschen. Ebenso Unternehmen. Und umgekehrt: Wenn es sich wirtschaftlich lohnt, Produktionen in Billiglohnländer zu verlegen oder bei der Herstellung die Luft zu verunreinigen, dann wird es gemacht.

Das ist eben nicht das Gleiche. Wenn Menschen nicht aus Einsicht oder auf Basis bestimmter Werte handeln und dann zu spüren bekommen, dass ihr Verhalten unerwünscht ist, findet – vielleicht – ein Umdenken statt. Wenn sie erwünschtes Verhalten zeigen, weil sie dafür extra belohnt werden, dann werden sie erfinderisch, um eben diese Belohnung zu erhalten. Ihr Kind wird sicher einen Weg finden, ganz viele Schokoriegel zu ergattern, um die Menge der nicht weggeworfenen Verpackungen zu erhöhen.

In dem Beitrag werden weitere Maßnahmen beispielhaft aufgeführt. So können Unternehmen ihren Mitarbeitern „erlauben“, statt mit dem Wagen mit der Bahn auf Geschäftsreisen zu gehen und sie dürfen sogar als Ausgleich für die Mehrbelastung 1. Klasse reisen. Oder Unternehmen zahlen einen Zuschuss bei der Anschaffung eines E-Bikes oder E-Rollers für den Weg zur Arbeit. Klar, auch das ist ein Versuch, Verhalten über Anreize zu steuern. Wobei – und das ist der Unterschied – hier das erwünschte Verhalten erleichtert wird. Wenn eine Abkürzung über den Rasen einen Trampelpfad erzeugt, dann biete ich nicht jedem, der den mühsamen Umweg in Kauf nimmt, eine Prämie, sondern sorge dafür, dass es einen alternativen Weg gibt, der weniger mühsam ist. Oder erschwere den Weg über den Trampelpfad.

Um auch hier ein Beispiel aus der Erziehung zu bemühen: Ihr Kind hat einen weiten Weg zur Schule und möchte wie seine Mitschüler von Ihnen morgens mit dem Auto gebracht werden. Sie stellen ihm stattdessen ein angesagtes und hochbegehrtes Mountain-Bike zur Verfügung, das sein altes Jugendrad ersetzt. Beim Schokoriegel-Problem sieht die Sache anders aus. Hier geht es tatsächlich über Leidensdruck: Landet die Verpackung auf der Straße, gibt es beim nächsten Einkauf eben keinen Schokoriegeln mehr. Genauso könnte man auch beim Nachhaltigkeitsthema vorgehen: Die Inhaber erklären den Managern, dass sie, wenn sie weiterhin ihre Position behalten möchten, bestimmte Spielregeln einhalten müssen. Ziemlich einfach…

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