22. April 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Arbeiten nach Corona

Es gibt eine ganze Reihe von Aspekten unserer Art zu arbeiten, die sich im Rahmen der Pandemie verändert haben dürften. Zum einen unser Verhältnis zum Bürorbeitsplatz, Stichwort Homeoffice, zum anderen unsere Einstellung zu den technischen Möglichkeiten der digitalen Welt, Stichwort Kollaborationstools, und schließlich unsere Auffassung von selbstverantwortlichem Arbeiten, Stichwort „New Work“.

Eine umfangreiche bundesweite Studie des „IZWA Zukunft.Wirtschaft.Arbeit“ unter 134 Unternehmen im Mai 2020, die sieben Dimensionen untersucht hat, ergab, dass die Zahl der Mitarbeiter, die im Homeoffice waren, von März bis Mai von 39% auf 91% gestiegen war. Vor der Pandemie kommunizierten ca. 30% über digitale Plattformen, in der Pandemie waren es 80%. Als Mitglieder in selbstorganisierten Teams sahen sich vorher 43%, danach 60% (Die Corona-Krise als Treiber für New Work?)

Weitere Ergebnisse: Die Mitarbeiter erlebten mehr Vertrauen ihrer Chefs, mehr Offenheit für Fehler, mehr Führung per Vision, Inspiration und Mentoring. Klingt fast zu schön um wahr zu sein, aber ist durchaus nachvollziehbar. Was blieb den Vorgesetzten anderes übrig als mehr Spielraum für Fehler zu gewähren und darauf zu setzen, dass die Mitarbeiter auch vom Homeoffice einen vernünftigen Job machen würden?

Ein interessanter Aspekt: Das Erleben von Sinn nahm nicht zu, im Gegenteil. Vorher erlebten angeblich 69% einen befriedigenden Sinn in ihrer Arbeit, in der Krise nur noch 60%. Ich finde schon den ersten Wert bemerkenswert hoch, die Frage ist allerdings, warum er sinkt. Interpretation der Autoren: Andere Berufsgruppen wie Pflegepersonal, Ärzte, Lebensmittelhändler u.a. wurden plötzlich als wichtiger angesehen, darunter litt die Bürotätigkeit. Ich hätte eine andere Erklärung: Wer zu Hause vor dem Bildschirm sitzt, hat mehr Zeit, über das nachzudenken, was er da gerade tut, und dann fällt ihm vielleicht deutlicher auf, dass es doch sinnvollere Dinge im Leben gibt. Und vielleicht macht ja auch der soziale Kontakt im Büro einen Teil des Sinnerlebens aus.

Noch ein interessantes Ergebnis: Es gibt „einen signifikanten Zusammenhang zwischen Retrospektiven (wie man sie aus dem agilen Arbeiten kennt) und der Produktivität.“ Soll heißen: Das unmittelbare Besprechen von aktuellen Themen und Problemen und die Feedbackschleifen werden (hoffentlich) in Zukunft das Lernen am Arbeitsplatz bestimmen, unabhängig von Krisen.

Apropos Lernen: Die Umstellung auf die virtuelle Zusammenarbeit und der Umgang mit der ganzen Technik kam ja von heute auf morgen und funktionierte auch ohne große Trainingsprogramme. Menschen lernen so manches im Nu, wenn es nicht anders geht. Dem steht die Feststellung von Experten im gleichen Heft (Wie wir jetzt arbeiten und führen müssen) gegenüber, die da lautet: „Organisationsentwicklung geht nicht ohne Kompetenzentwicklung“ – womit gemeint ist, dass es nicht ratsam ist, eine Organisation mal so einfach umzukrempeln, ohne die Mitarbeiter gründlich hierfür zu trainieren. Die Erfahrungen aus der Krise deuten an, dass die Menschen deutlich flexibler sind und so manches an Kompetenz schon in ihnen schlummert.

Bleibt noch die Frage, was nach der Krise aus dem Büroarbeitsplatz wird. Nur noch im Homeoffice, so viel ist schon klar, wird wohl in den wenigsten Unternehmen die Regel werden. Es läuft auf eine Mischung hinaus, das Verhältnis könnte sich auf zwei bis drei Tage im Homeoffice einpendeln. Dabei wird das Büro vom Ort des Abarbeitens vermutlich zum Ort der Begegnung, des Austauschs, der Kreativität und muss auch entsprechend gestaltet sein (Zwischen virtuellem und analogem Raum).

Ganz spannend übrigens: Jutta Solga von der AXA erklärt in dem Expertengespräch, dass sich hierfür die Gebäude aus den 70er Jahren besonders gut eignen mit ihrem Atrium, wo von den Galerien Flächen abgehen und in der Mitte im Erdgeschoss ein Begegnungsraum entsteht. Hin und wieder steht dort unten jemand und hält eine Rede und die anderen „hängen an den Geländern„. Pech für die schönen Neubauten, die sich aus statischen Gründen nicht so leicht umbauen lassen.

Noch mal zurück zur Funktion des Büros: Eine ganz entscheidende ist wohl die des Büros als Kulturort. Es wird „ein attraktiver Ort zur Aufladung mit der Unternehmensidentität und der Marke werden.“ Sozusagen die berufliche Heimat der Menschen.

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