20. Juni 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Arme Personaler

KRITIK: Ein Dankeschön an das Personalmagazin. Es hat sich die Mühe gemacht, ein wenig Licht in den Dschungel der Start-up-Szene zu bringen. Denn da gibt es inzwischen jede Menge kleiner Unternehmen, die den HR-Bereich aufmischen wollen. Ende 2019 waren es ganze 265 im deutschsprachigen Raum! Knapp 100 werden im Anhang zu dem Beitrag (Alles auf Neustart) kurz vorgestellt.

Zunächst einmal gab es eine größere Umfrage sowohl unter den Start-ups als auch deren Kunden, in der Regel größere Unternehmen, um herauszufinden, was man sich so voneinander wünscht. Nicht weiter verwunderlich: Die einen erhoffen sich neue Technologien zur Unterstützung ihres Personalmanagements, die anderen suchen Kunden und erhoffen sich Umsätze und den Marktzugang. Problem dabei: So manches Start-up braucht schnell Erlöse, aber die Prozesse in den Konzernen sind langsam, die Entscheidungsprozesse schwerfällig und bis das Geld fließt, dauert es in der Regel. Ganz witzig: Die Jung-Unternehmer glauben, dass die Personaler fertige Produkte bzw. Lösungen erwarten, aber das tun offenbar die wenigsten.

Auch nicht weiter verwunderlich: Nahezu alle hier aufgeführten neuen Dienstleister bieten technologische Lösungen an. Ich habe mir die Liste der ca. 100 aufgeführten Anbieter angeschaut und finde kaum einen, der den Personalern mit „echten Menschen“ unter die Arme greift wie z.B. Hppyppl, wo der Fokus allerdings auf Unterstützung der Personalarbeit kleinerer Unternehmen liegt.

Plattformen

Ansonsten finden sich jede Menge Plattformen, die dafür sorgen wollen, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammenfinden, wobei der Begriff „Matching“ sehr häufig auftaucht. An zweiter Stelle folgen „Learning & Development“-Angebote, hier geht es um „automatisiertes Selbstcoaching“, „digitalisiertes Coaching“, aber auch Lernangebote, die mit Lernvideos, täglichen kleinen Lernimpulsen oder „Serious Games“ den Mitarbeitern neue Kompetenzen vermitteln wollen. An dritter Stelle stehen die Angebote zum Thema „Feedback“ – also Fragebögen, mit denen Mitarbeiter nach ihrer Motivation, dem Klima im Unternehmen, dem Engagement befragt werden können, aber mit denen auch Leistungen beurteilt werden sollen. Besonders interessant so ein Versprechen: Mit spielerischen Elementen die Produktivität und das Mitarbeiterengagement erhöhen.

Ein weiterer Schwerpunkt scheint mir das Thema „Gesundheit“ zu sein. Da wird Mitarbeitern geholfen, gesunde Routinen zu entwickeln, ihre psychische Gesundheit und ihr Wohlbefinden werden erhöht sowie ihre Essgewohnheiten verbessert. Außerdem finden sich Online-Lösungen für steuerfreie oder -begünstigte Sachbezüge. Die komplette Übersicht gibt es bei Haufe übrigens als PDF zum Download.

Ich bedauere die armen Personaler, die sich in diesem Angebot zurecht finden sollen. Ich bin auch misstrauisch bezüglich des Nutzens vieler hier vorgestellter „Lösungen“. Manche kommen mir so vor wie Produkte im Supermarkt, von denen wir bisher gar nicht wussten, dass wir sie brauchen, sie aus Neugier erwerben und dann feststellen, dass wir auch weiterhin ganz prima ohne sie leben können. Zum anderen erinnert mich das an die Medizin. Hier gibt es auch unglaublich viele Methoden, Instrumente und Verfahren, die Ärzte unterstützen sollen. Am Ende aber steht vor allem der persönliche Kontakt, das gilt beim HR Bereich mehr als bei jedem anderen. Ich verstehe natürlich den Enthusiasmus der Gründer, aber denke, dass ganz viele dieser hier vorgestellten Produkte schon bald in Vergessenheit geraten werden.

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