INSPIRATION: Den meisten deutschen Unternehmen fehlt eine gute Gesundheitsstrategie. Was gemacht wird, ist meist zu wenig. Nun kommt mit Wucht der Fachkräftemangel. Wo soll das enden? Man ahnt es …
„Die Belastungen der körperlichen und psychischen Gesundheit von Beschäftigten sind in den vergangen zwei Jahren extrem gestiegen,“ resümiert Autorin Katharina Schmitt (Woran das Gesundheitsmanagement krankt). Pandemie und Krieg haben Spuren hinterlassen. Und jetzt herrscht auch vielerorts Personalmangel. Ihre Diagnose: „eine erschöpfte Belegschaft, die auf das Ende ihrer Leistungsfähigkeit hinsteuert.“ Solches hört man in den Unternehmen nicht so gerne. Schließlich hat man doch bislang immer noch und irgendwie die Kurve gekriegt. Und dass das Jammern des Kaufmanns Gruß sei, wird dann gerne in Anschlag gebracht: Alles nicht so schlimm.
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Verbalradikale
Das Problem: Die Unternehmen haben zwar verbal Anstrengungen versprochen. Die meisten haben aber die Hausaufgaben beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) nicht gemacht. Es sind noch nicht einmal ein Drittel der Unternehmen, die ein ganzheitliches BGM implementiert haben. Das sind die erschreckenden Ergebnisse der Studie „Whatsnext 2022 – Gesund arbeiten in der hybriden Arbeitswelt“. Sie wurde von der Techniker Krankenkasse (TK), dem Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) und dem Personalmagazin durchgeführt und ist die größte ihrer Art. Über 1.000 Geschäftsführende, HR- und BGM-Verantwortliche wurden im Herbst 2022 befragt.
Die meisten Unternehmen setzen eher auf punktuelle Einzelmaßnahmen. Oder produzieren Flickenteppiche. Das mag man noch wohlwollend Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) nennen. Doch von Strategie ist da wenig zu sehen – und das ändert sich schon seit Jahren nicht. Im Bereich Arbeitssicherheit sieht man Angebote (77,9% der Befragten), auch im Bereich Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) (75,5% der Befragten) sowie im betrieblichen Versorgungsmanagement (71,7% der Befragten). Dann wird’s schnell dünner. Und die meisten Angebote haben eher verhaltenspräventiven Charakter. Die wichtigen und wirkungsvolleren verhältnispräventiven Maßnahmen muss man mit der Lupe suchen.
Unwuchtigkeiten
Wo knirscht es am meisten im Gesundheitsmanagement?
- Es werden nicht alle Personengruppen im Unternehmen adressiert: Für Führungskräfte, Homeoffice- oder hybrid Arbeitende, auch für Teilzeitbeschäftigte und junge Beschäftigte (Azubis) gibt es Angebote. Bei den stark beanspruchten gewerblichen Beschäftigten und Schichtarbeitenden ist „Hängen im Schacht“. Das wird sich rächen, wenn der Fachkräftemangel zunimmt.
- Viel Aktionismus, wenig Strategie: Eine Obstschale auf dem Tisch nach dem Motto „An apple a day keeps the doctor away“ und ein paar Sportangebote sind ungeeignet, die psychischen Beanspruchungen zu verringern. Das hat sich offenbar immer noch nicht herumgesprochen. Angebote zum Stressmanagement und zur Ressourcenstärkung gibt es lediglich bei einem Drittel der Unternehmen. Und so glaubt man offensichtlich in den Unternehmen überwiegend immer noch, Gesundheit ließe sich über Indikatoren wie Krankenstand, Fluktuation oder Produktivität steuern. Ein Irrtum: Das sind Spätindikatoren…
