22. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Bedingt authentisch

KRITIK: Menschen, die vor uns auf einer Bühne stehen, unterstellen wir erst gar nicht, dass sie authentisch auftreten. Zumindest den meisten von uns wird klar sein, dass es sich um eine Darstellung handelt, die einem gewissen Zweck dient. Sei es, uns zu unterhalten, uns zu überzeugen, uns für eine Sache zu gewinnen – was auch immer. Die Darstellung hat mit der Person nur bedingt etwas zu tun.

Mit Organisationen ist das nicht anders. Auch hier uns in der Regel klar, dass das Bild, das sie nach außen präsentieren, mehr oder weniger mit dem übereinstimmt, das wir vorfinden würden, wenn wir uns in sie hinein begeben. Mehr noch: Jeder von uns hat eine Schauseite, die er nach außen trägt. Niemand kehrt ununterbrochen sein Innerstes nach außen, ist stets wie ein offenes Buch. Wir überlegen uns bei allem, was wir entscheiden und vorhaben, wie wir dies kommunizieren. Denn es gibt ein Dilemma: Wir möchten mit unserer Kommunikation etwas erreichen, sie folgt einem Zweck. Und den erreichen wir eben oft nicht, wenn wir völlig offen und ehrlich – sprich: authentisch – sind.


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Authentisch oder überzeugend?

In ihrer Serie „Lehren von Luhmann“ erklären die Autoren das an einem einfachen Beispiel (Ohne Schauseiten geht es nicht). KISS bedeutet: Keep it short and simple. Soll heißen: Wenn man möchte, dass der andere einen versteht, hilft es, sich einfach und präzise auszudrücken. Aber vielleicht ist einem mehr danach, seine kompletten Beweggründe für eine Entscheidung zu kommunizieren. Dann hat man das Problem, entweder authentisch oder überzeugend zu sein.

Mit anderen Worten: Eine authentische Kommunikation ist eine Illusion. Auf Organisationen bezogen setzt sich die Erkenntnis fort, und das nicht nur nach außen. Auch innerhalb hat jedes Team, jede Abteilung das Bedürfnis, ein gewisses Bild abzugeben. Man stelle sich vor, überall würde offen kommuniziert, wo es hakt und knirscht … Oberstes Kriterium zur Außendarstellung ist auch hier der Zweck. Das fällt einigen Bereichen leichter (z.B. der Produktion), anderen deutlich schwerer. Witziges Beispiel: „Wir sind der Puffer für die wirren Ideen unseres CEOs“ als Zweck einer Stabsfunktion lässt sich nur schwer verkaufen.

Was lehrt uns all das? Zunächst einmal: Niemand sollte so naiv sein, alles, was er präsentiert bekommt, sei es als Außenstehender einer Organisation als auch Teil derselben bezogen auf andere Bereiche, für bare Münze zu nehmen, sondern die Dinge mit Abstand betrachten. Wer aber alles, was ihm dargeboten wird, mit Misstrauen betrachtet und hinter jedem Verhalten eine zweite Absicht wittert, der wird sich auch schwer tun.

4 Ohren

Na sowas, denke ich, wer hätte das gedacht. Da sind wir doch seit der Präsentation des Kommunikationsquadrates nach Schulz von Thun etwas weiter. Jegliche Kommunikation verfolgt einen Zweck, nämlich die Reaktion des anderen, auch Appell genannt. Immer gibt es da auch etwas über den Kommunizierenden selbst zu erfahren, die Selbstkundgabe. Dass der geäußerte Appell vielleicht noch einen verdeckten enthält, und die geäußerte Selbstkundgabe eine andere zu verschleiern versucht, kommt ebenso vor, das zeigt die Lebenserfahrung.

Umso erstaunlich in der Tat, dass wir dennoch gerne die Schauseiten für die „Wirklichkeit“ halten möchten. Ich denke an Situationen, in den sich der Werksleiter in der Produktion blicken ließ und sein Besuchstermin streng vertraulich war. Ihm wurden blitzblank geputzte Hallen und Aufenthaltsräume präsentiert, die Vorbereitungen liefen zum Teil seit Tagen. Und obwohl ihm das bewusst war, lief das Ritual stets gleich ab – so waren alle Seiten zufrieden. So viel zum Sinn und Zweck der Schauseite.

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