23. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Bessere Persönlichkeit

SATIRE: Eltern, die auf ihre Smartphones starren, während ihre Kinder auf dem Dreirad durch die Gegend fltzen oder neben ihnen im Bus vor sich hin brabbeln, sind ein mittlerweile ziemlich vertrautes Bild. Aber vielleicht denken wir zu Unrecht schlecht über diese Eltern – vielleicht sind sie gerade dabei, ihren Nachwuchs zu optimieren?

Das nämlich ist das Versprechen, dass neuerdings aus dem Silicon Valley kommt. Und natürlich alles mit künstlicher Intelligenz. So soll es funktionieren (Automatisch gut erzogen?): Wenn Sie als Eltern unsicher sind, dann kaufen Sie sich keinen Erziehungsratgeber oder besuchen ein Elternseminar, sondern legen sich diese App zu. Diese fordert Sie auf, alle möglichen Fragen zu beantworten. z.B. ob Sie verheiratet sind, ob das Kind sich gut konzentrieren kann, ob es gerade einen Wutanfall hatte. Aus den Antworten lernt die App natürlich und „hilft, das wahre Wesen Ihres Kindes zu ergründen.“ bzw. „Ihre Kinder besser zu decodieren.“ Dann erhalten Sie Tipps und geben ein, was Sie getan haben und wie Ihr Kind reagiert hat. Und je mehr die App über Sie und Ihr Kind erfährt, umso nützlichere Tipps kann sie Ihnen geben, was je nach Situation zu tun ist.


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Dahinter steckt natürlich ein Modell. Das basiert auf 50 Qualitäten, die ein Kind entwickeln sollte, also vergleicht das Programm Ihre Antworten mit den vorgegebenen Qualitäten und merkt, wann eine davon zu kurz kommt. Dann bekommen Sie die entsprechenden Hinweise, z.B. zu feiern, wenn etwas gut geklappt hat. So gelingt es Ihnen, so das Versprechen, „mit wenig Aufwand das Maximum aus dem Nachwuchs herauszuholen.

Die Experten sind sich natürlich uneins. Die einen sagen: Warum sollte das nicht helfen? Es ist ja nichts anderes als ein Erziehungsratgeber, nur eben sehr spezifischer auf Ihr Kind zugeschnitten. Die anderen sehen darin den Anfang einer uniformen Erziehung und spotten über eine „Super Marktidee, um megagestresste Eltern im Förderwahn zu ködern.

Man kann das Ganze ja fortsetzen. Die nächste App ist für Führungskräfte, die ihnen hilft, ihre Mitarbeiter zu decodieren und zu ausgewogenen Persönlichkeiten zu erziehen. Hundebesitzer, die Mitarbeiter und Kinder haben, brauchen dann schon drei davon, neben den Apps für das eigene Ernährungsverhalten oder ihr tägliches Fitnesstraining. 

Die Idee, per App sich selbst zu optimieren, kommt mir ja schon schräg genug vor. Aber mein Smartphone nun auch noch mit Informationen über meine Kinder und mein eigenes Erziehungsverhaltens zu füttern und dann andere Menschen nach Anweisung zu behandeln, ist sicher eine Steigerung. Obwohl: Die App gibt ja nur Tipps, was man selbst tun sollte – also zum Beispiel dem Kind (oder dem Mitarbeiter?) mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Schwierig, während man dabei ist, Informationen einzugeben. Und irgendwie stressig, oder?

Da könnte der Tipp eines anderen Experten helfen, der empfiehlt, lieber das Smartphone einen Tag völlig beiseite zu legen und sich ganz dem Kind zu widmen. Allerdings könnte sich da schnell das schlechte Gewissen melden, wenn Sie anderen Eltern auf dem Spielplatz begegnen, die gebannt auf ihr Handy starren. Vielleicht bekommen sie gerade den ultimativen Tipp, wie sie aus ihrem Sprössling die optimale Persönlichkeit machen, während Ihr Kind im Sandkasten verkümmert.

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