INSPIRATION: Wie lassen sich Mitarbeiter langfristig ans Unternehmen binden? Ich erinnere mich, dass es vor 25 Jahren so etwas wie „Retention-Management“ gab. Damals war das Problem nicht ganz so groß wie heute, wo angeblich nahezu jedes Unternehmen händeringend Fachkräfte sucht. Aber schon immer war es teurer, neue Mitarbeiter zu suchen, einzustellen und einzuarbeiten als diejenigen zu halten, die bereits eingearbeitet sind. Da leuchtet ein, dass das Thema „Mitarbeiterbindung“ an Bedeutung gewinnt.
Ich habe gleich mehrere aktuelle Beiträge gefunden, in denen uns erklärt wird, was zu tun ist. Die Versuchung ist groß, sich über die Inhalte lustig zu machen, aber vielleicht berichte ich erst einmal von jemandem aus meinem Umfeld, der nach etlichen Jahren gekündigt hat, einen neuen Job antrat, diesen nach drei Tagen hinschmiss und dann ebenso schnell wieder eine neue Stelle fand (auf der er jetzt deutlich zufriedener ist).
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Ein Beispiel
Die Kündigung erfolgte nach langer Überlegung, vielen Zweifeln und am Ende dann doch aus Überzeugung. Dabei stimmte bei der Firma so manches: Die Atmosphäre war familiär, die Kollegen und das Betriebsklima angenehm. In Sachen Arbeitszeit war die Führung entspannt und flexibel, dazu kam, dass der Weg zur Arbeit mit dem Rad möglich war. Was stimmte nicht? Vor allem eines: Die Aufgaben waren nicht mehr sonderlich herausfordernd. Der Mitarbeiter hatte sich weitergebildet, einen zusätzlichen Abschluss erworben, der Arbeitgeber hatte die Maßnahme wohlwollend unterstützt. Aber anschließend änderte sich an den Aufgaben wenig. Statt gemeinsam im Team über die Verteilung zu reden, wurde der Mitarbeiter damit vertröstet, dass man im Moment ohnehin zu viel zu tun hätte, um sich über Veränderungen Gedanken zu machen. Er verließ das Unternehmen, nachdem er einen neuen Arbeitgeber gefunden hatte, der ihm anspruchsvollere Aufgaben in Aussicht stellte. Und dabei war der Weg zur Firma deutlich länger.
Was geschah? Von Einarbeitung keine Spur, Kollegen, die den Neuen maximal mit einem Kopfnicken begrüßten, intransparente Arbeitsabläufe, total veraltete Strukturen und Prozesse und völlig überlastete Chefs, die froh waren, lästige Aufgaben abwälzen zu können. Wie das gar nicht so selten vorkommt: Ungeliebte Aufgaben wurden dem Neuen auf den Schreibtisch gelegt mit der Bemerkung: „Sie schaffen das schon!“ Eine bittere Enttäuschung, da fiel es eher leicht, ganz schnell die Reißleine zu ziehen.
Kein Patentrezept
Womit zumindest deutlich wird, dass es viele Gründe für Menschen gibt, einem Arbeitgeber den Rücken zu kehren. Von daher ist der Rat der Experten in all den erwähnten Beiträgen nachvollziehbar: Es gibt nicht das eine „Bindemittel“ – bei jedem einzelnen Mitarbeiter können völlig unterschiedliche Gründe ausschlaggebend sein. Schon allein in Sachen Arbeitszeit: Der junge Vater mÃ…
