2. März 2024

Das Beste aus der Fachliteratur

Coaching im Mittelstand

REZENSION: Filbert / Happich / Fildhaut / Höher / Krahé: Coaching im Mittelstand: Praxistipps und Anregungen für Coaches, Unternehmer und Führungskräfte. Schäffer-Poeschel 2019

Die Herausforderungen in mittelständischen Unternehmen (KMU) unterscheiden sich erheblich von denen in Konzernen. Der Mittelstand ist allerdings ein weites und heterogenes Feld. In vielen Fällen vermischen sich geschäftliche und persönliche Logiken und produzieren Herausforderungen, die man in großen Konzernen nicht kennt. Das Management, oft sind es Inhaber, sind viel direkter und persönlicher mit dem Business, aber auch mit den Mitarbeitern konfrontiert als angestellte Manager in Konzernen. Solches hat Vor- und Nachteile. Eine Hands-on-Kultur kann motivieren und schnelle Prozesse bescheren, sie kann aber auch Ausdruck unklarer Strukturen und mangelnder Professionalisierung sein. Viele KMU sind Familienunternehmen, bei denen Geschäft und Familie oftmals verschwimmen. Gerade beim Thema Nachfolge in der Geschäftsführung können sich auch handfeste Dramen abspielen – nicht nur berufliche, sondern auch existenzielle.

Für Coaches sind mittelständische Unternehmen ein spannendes Betätigungsfeld mit hohem Beratungsbedarf. Aber wird dieser auch nachgefragt? Oder versucht man dort lieber mit Bordmitteln klarzukommen? Was nicht unbedingt gelingen muss. So ist die Unterstützung von Steuerberatern und Anwälten einerseits sinnvoll, aber ob die „Hobbypsychologen“ auch mit Konflikten wertschätzend und konstruktiv umgehen können, steht auf einem anderen Blatt… Coaches sind da vermutlich die deutlich bessere Wahl.

Diese Botschaft will dieser Band unter anderem vermitteln. Und zwar über praktische Informationen. Eine Reihe von im Mittelstand erfahrenen Coaches, allesamt in der Öffentlichkeit keine Unbekannten, sind hier versammelt. Sie eint die eigene Erfahrung, der gemeinsame Austausch und das Lernen in diesem Feld. Ihre professionelle Heimat ist der Fachausschuss Mittelstand des Deutschen Bundesverbands Coaching (DBVC).

So erfährt die Leserschaft die unterschiedlichsten Herangehensweisen und Methoden und kann anhand zahlreicher praktischer Fallbeispiele selbst ermessen, welche konkrete Hilfestellungen gegeben und Lösungen realisiert werden können. So berichtet Britta Reinhardt anschaulich über das Thema Generationenfolge im Familienunternehmen, Gudrun Happich klärt über Mitarbeiterführung auf und Cornelia Seewald beleuchtet das Thema Nachwuchsförderung. Gerahmt werden diese Fallbeispiele von allgemeineren Kapiteln zu Beginn (Grundlagen) und am Ende (Vitalisierung von Unternehmen), die als inhaltliche Klammer zu den Anwendungskapiteln wirken.

Literaturempfehlungen und ein Stichwortverzeichnis erschließen das Buch mit seinen 13 Kapiteln und laden so auch zum Querlesen und Vergleichen ein. Eine Vorstellung der Autoren macht diese als Personen und Profis greifbar und steigert so die Glaubwürdigkeit ihrer Berichte.

Insgesamt haben Führungskräfte aus dem Mittelstand mit diesem Buch eine ergiebige Quelle an der Hand, um sich Anregungen zur Reflexion zu holen. Vielleicht macht die Lektüre auch Mut, sich im Coaching mit den eigenen Stärken, aber auch den allgegenwärtigen Schwierigkeiten zu befassen. Denn, dass es überall „menschelt“ ist klar. Ob man allerdings gute, konstruktive Lösungen umgesetzt bekommt, eben nicht immer. Gerade für den Mittelstand ist Nachhaltigkeit in der Unternehmensführung ein hoher Wert. Coaching kann dafür der passende Schlüssel sein.

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