21. Juni 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Digitalisierung als Paradigmenwechsel im Coaching

REZENSION: Robert Wegener et al. (Hrsg.) – Coaching im digitalen Wandel. V & R 2020.

In der Einführung stellt das Herausgeberteam programmatisch drei Thesen auf:


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  1. Coaching ist das Beratungsformat für Organisationen im digitalen Wandel.
  2. Coaching muss sich im Zuge der Digitalisierung selbst weiterentwickeln.
  3. Als professionelles Beratungsformat muss sich Coaching in der Digitalisierung kritisch positionieren.

Das Buch dokumentiert in Auszügen den 5. Internationalen Coachingkongress „Coaching meets Research“, der im Jahr 2018 unter dem Motto „Organisation, Digitalisierung und Design“ im Schweizerischen Olten stattfand. Die Herausgeber gehören zum Veranstalterteam des Kongresses. Die 14 Beiträge fokussieren – anders als der Kongress – ausschließlich auf den digitalen Wandel. Hatte Mitherausgeber und ZHAW-Forscher Hansjörg Künzli die Kongress-Community seinerzeit noch eindringlich gemahnt, den neuen Herausforderungen der Digitalisierung im Coaching nicht vornehm aus dem Weg zu gehen, hat sich seit der Coronakrise und dem folgenden Videokonferenzboom die Lage komplett verändert. Die Metamorphose des Buchs aus dem Jahr 2018 zur Spezialisierung auf den digitalen Wandel erscheint absolut verständlich und angemessen.

Die enorme Bandbreite der Thematik

Die weiteren Beiträge des Buchs geben Aufschluss über die enorme Bandbreite der Thematik. Sie behandeln schon existierende Online-Angebote etablierter Konzepte wie des Zürcher Ressourcen Modells (ZRM®) oder die Usability von Videotelefonie und warum wir uns so schwertun, ein Präsenzgespräch auf den Bildschirm auszulagern. Andere spekulieren über sogenannte künstliche Intelligenz (KI) und den Einsatz von Chatbots. Und dann gibt es auch einen handfesten Bericht über die Führungskräfteentwicklung mit Fokus auf Digitalisierung. Zum Schluss weitet sich der Blick auf Coaching im Rahmen der Organisationsentwicklung.

Bemerkenswert ist, dass fünf der 14 Beiträge englischsprachig sind. Auch der Kongress war parallel zweisprachig organisiert. Hier zeigt sich die Öffnung und Anschlussfähigkeit der deutschsprachigen Szene an die überwiegend englischsprachige internationale Szene. Leider eine – wie so oft zu beobachtende – einseitige Geste. So fragt man sich, warum das im deutschsprachigen Raum entwickelte Verfahren der qualitativen Inhaltsanalyse in einem Beitrag \“reimportiert\“ werden muss. Oder es fällt auch einfach auf, dass nicht alle englischsprachigen Beiträge das wissenschaftliche Niveau aufweisen, dass hierzulande Standard ist.

Mehrheitlich haben die Beiträge jedoch ein hohes Niveau, nur wenige erscheinen verzichtbar. Herauszuheben sind die folgenden Beiträge: Silvia Deplazes und Hansjörg Künzli entfalten die Debatte über Kompetenzentwicklung für Online-Coaching, indem sie den medienpsychologischen Stand der Forschung darlegen. Thomas Dyllick berichtet über die Entwicklung der Online-Variante des ZRM®. Monika Klinkhammer, Harry und Neela Enke verdeutlichen die Lage von Wissenschaftlern, die sich heutzutage mit Möglichkeiten der Digitalisierung konfrontiert sehen, die die Vorstellungen und Problemlagen von Laien um ein Vielfaches übersteigen. Wie die Führungskräfteentwicklung in der Kommunalverwaltung mit Fokus auf Digitalisierung konkret und forciert ablaufen kann, berichten Mathias Hofmann und Astrid Laudage.

Fazit: Ein weiterer, lesenswerter Baustein in der Diskussion um Chancen und Risiken von digitalem Coaching – und der Rolle von Coaching bei der Digitalisierung. Und eine gute Botschaft noch zum Schluss: Da der Schweizerische Nationalfonds den Kongress und das Buch gefördert haben, gibt es letzteres online sogar open access im PDF-Format.

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