12. Juni 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Diktat der Effizienz

INSPIRATION: Überall werden die Kosten reduziert, es gilt, bei möglichst geringem Input den Output zu steigern – oder bei gleichbleibendem Output den Input zu reduzieren. Die Einsparungswellen aber haben gravierende Nebenwirkungen, und manchmal lohnt es sich, bewusst zu verschwenden, um am Ende eine Effizienz ganz anderer Art zu bekommen.

Das zumindest behaupten die Autoren in der managerSeminare (Robustheit vor Effizienz). Beispiele für fragwürdige Effezienzinitiativen liefern sie auch: Das Streichen von Getränken auf Flügen, Verlagerung von Aufgaben in der Wertschöpfungskette an Kunden, Auslagerung von Mitarbeitern in Subunternehmen, Outsourcing von Produktionsschritten, Reduzierung von Lagerkapazitäten usw.


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In der Tat, so manches nimmt skurrile Züge an. Als ich letztens nach längerer Zeit mal wieder geflogen bin, spazierten die Flugbegleiter durch die Gänge und suchten die Passagiere, die den Economy-Tarif gebucht hatten. Diese bekamen Getränke und ein Essen, die mit dem Basistarif konnten beides käuflich erwerben. Und zahlten ein Bier oder ein Sandwich mit Kreditkarte. Knifflig wurde es, wenn Passagiere die Plätze getauscht hatten oder sich ganz woanders niedergelassen hatten. Das Personal musste dann allen auch noch Kopfhörer für 3 Euro das Stück sowie Decken verkaufen. Entsprechend gestresst wirkte es.

Cost cutting

Ich habe keine Ahnung, wie sich diese Einsparkosten auf das Kundenverhalten auswirken. Mag sein, dass man mit dem Basis-Tarif den Flieger voll bekommt und das Input-Output-Verhältnis tatsächlich besser wird. Ich weiß auch nicht, wie viele Flugbegleiter das auf Dauer durchstehen, wie hoch die Fluktuations- oder Abwesenheitskosten sind. Aber selbst wenn sich das betriebswirtschaftlich positiv darstellen lässt – wird es auf Dauer funktionieren?

Die Nebenwirkungen von Effizienzinitiativen (neben der Belastung für die Mitarbeiter und deren Folgen auf die Motivation) sind unter anderem, dass das „normale“ oder „gesunde“ Effizienzdenken leidet. Selbst wenn Mitarbeiter Einsparpotenziale erkennen – warum sollen sie diese melden oder selbst angehen? Dann lieber bis zum nächsten Sparappell warten, „sich sozusagen künstlich Futter aufsparen, das man bei Bedarf heben“ kann.

Lob der Verschwendung

Das Kernproblem sei allerdings, dass solche Einsparversuche eigentlich nur in einem stabilen Umfeld funktionieren. In einer sich verändernden Welt, so das überall geäußerte Credo, braucht man Kreativität und Einfallsreichtum. Dies sorgt für die notwendige „Robustheit“ von Systemen. Unternehmen, die sich auf das Nötigste reduziert haben, können diese Robustheit niemals erreichen. Dafür braucht es Vielfalt und Vernetzungsgrad, und beides funktioniert nur mit „Verschwendung“. Gemeint ist vor allem Zeit. Zeit zur Reflexion, Zeit für die Einarbeitung von Mitarbeitern, Zeit, um sich mit anderen auszutauschen, für Muße und Dialoge.

Nachvollziehbar. Wie sollen wirklich neue Ideen entstehen, wenn Meetings gekürzt werden, Redebeiträge beschränkt, Workshops auf halbe Tage reduziert werden.

Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist hier mit „Verschwendung“ vor allem „Zeitverschwendung“ gemeint. Wobei Arbeitszeit natürlich Geld kostet, das eingespart werden soll. Am Ende gilt es offenbar, grundsätzlich dem Begriff „Verschwendung“ den Schrecken zu nehmen, den er auf Controller ausübt. Sich also zu überlegen, wo Verschwendung wirklich sinnvoll ist und wo sie bekämpft werden muss. Wer Meetings kürzt, weil dort nur PowerPoint-Präsentationen aufgefahren werden, der tut seiner Organisation sicherlich etwas Gutes. Wer Workshops zur Ideenfindung oder Vernetzung der Mitarbeiter streicht, erweist ihm einen Bärendienst. In welche Kategorie die kostenlosen Getränke für Fluggäste gehören, vermag ich nicht zu beurteilen …

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