14. Juli 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Fakt oder Fake?

PRAXIS: Wenn wir uns schlecht fühlen, negative Gedanken haben und in unserem Verhalten blockiert sind, stecken dahinter in der Regel Erfahrungen, die wir nicht mehr hinterfragen, sondern als Fakten ansehen. Dann stecken wir in dysfunktionalen Mustern fest, die wir als nicht mehr änderbar hingenommen werden. Im folgenden Coaching-Tool entdecken Klienten neue Muster und setzen sie um (Fakt oder Fake? Die eigene Wahrnehmung hinterfragen). Der Ablauf in acht Schritten:

  • Coachee und Coach erarbeiten eine Zielsetzung. Also z.B. dass der Coachee in bestimmten Situationen mehr Sicherheit erlangen, sich stärker in Meetings einbringen, seine persönlichen Grenzen gegenüber Chef und Kollegen deutlicher machen möchte usw.
  • Beschreiben einer beispielhaften Situation (Activating Event): Der Coachee beschreibt eine Situation, in der er sich nicht gut gefühlt hat, die ihn blockiert hat oder in der er mit negativen Gedanken reagiert hat. Diese wird mit einem Begriff versehen und als Überschrift auf ein Whiteboard oder eine Pinwand geschrieben.
  • Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen benennen: Auf der Pinwand gibt es fünf Spalten – die erste ist überschrieben mit „Gedanken“. Der Coachee wird gebeten, sich tief in die Situation hineinzuversetzen und dann auf Karten einer bestimmten Farbe zu notieren, welche Gedanken ihm in der Situation durch den Kopf gingen – je Karte ein Gedanke. Diese werden in der Spalte „Gedanken“ untereinander gehängt.
    Anschließend werden auf jeweils einer andersfarbigen Karte notiert, welche Gefühle in der Situation auftraten. Diese werden in der zweiten Spalte mit der Überschrift „Gefühle“ gehängt.
    Die dritte Spalte trägt den Titel „Somatische Marker“, hier werden auf weiteren Karten mit einer neuen Farbe die Körperempfindungen in der Situation notiert.
  • Ableitung von Glaubenssätzen: Aus den Karten in den beiden ersten Spalten werden nun gemeinsam Glaubenssätze abgeleitet. Beispiel: Aus dem Gedanken „Mir graust vor der Präsentation!“ und dem Gefühl „nervös“ oder „ängstlich“ und der körperlichen Reaktion „zittrige Knie“ könnte der Glaubenssatz „Ich werde kein Wort hervorbringen, wenn mich alle erwartungsvoll anschauen!“
    Die gefundenen Sätze werden in der fünften, breitesten Spalte notiert. Zwischen jedem Satz bleibt Raum für die anschließend erfolgende Umformulierung.
  • Infragestellen und Umformulieren der Glaubenssätze: Die gefundenen Sätze werden nun auf ihren „Wahrheitsgehalt“ überprüft. Entspricht er der Realität oder ist er „Fake“? Der Coach hinterfragt dabei nicht nur, ob der Satz faktisch richtig ist, sondern auch, ob er logisch ist. Also: „Ist es logisch, dass jemand kein Wort herausbringt, wenn er angeschaut wird?“
    Wenn der Coachee erkennt, dass es seine Wahrnehmung und Interpretation ist, die hinter dem Satz steckt, geht es an die realistische Umformulierung. Diese wird dann in einer anderen Farbe unter die ursprüngliche Formulierung geschrieben, also z.B. „Ich weiß, was ich zu sagen habe, und bin in der Lage, die Erwartungen zu erfüllen!“ So wird mit allen Glaubenssätzen verfahren.
  • Gefühle formulieren: Der Coachee wird gebeten, die neuen Sätze laut vorzulesen und in sich hinein zu horchen. Welche Gefühle nimmt er jetzt wahr? Diese werden auf weitere Karten in einer neuen Farbe geschrieben und in Spalte 4 mit der Überschrift „Neue Gefühle“ gehängt. Das Gleiche kann auch mit den somatischen Markern ergänzt werden.
  • Verankern: Der Coachee wird gebeten, auf einer Skala von 1 bis 10 zu bewerten, wie es ihm mit den Gefühlen in Spalte 2 und anschließend wie es ihm mit den Gefühlen in Spalte 4 geht. Die Zahl wird in Form eines Smileys quasi als „Summe“ unter die Karten gehängt.
  • Hausaufgaben: Coach und Coachee lassen die Übung Revue passieren. Im Idealfall formuliert der Coachee selbst, für welche weiteren Situationen er die durchgeführte Übung selbstständig einsetzen könnte und in welcher kommenden Situation er das Erfahrene anwenden möchte.

Die Durchführung dauert zwischen 60 und 90 Minuten, benötigt werden Whiteboard oder Pinwand mit farbigen Karten und Magneten bzw. Pinnadeln.

(Nach: Anja Wilson-Wiegmann – Fakt oder Fake? Die eigene Wahrnehmung hinterfragen. Coaching Magazin 03/2023. S. 49-53)

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