KRITIK: Die Wirtschaftswoche erklärt in ihrer Titelgeschichte (Wir haben noch Bock!), wie Menschen wieder motiviert werden, engagiert zur Arbeit zu gehen. Denn das scheint dringend nötig zu sein, glaubt man folgenden Zahlen: 56% der von der HDI (eine Versicherung) Befragten würde den Job aufgeben, wenn sie nicht auf das Geld angewiesen wären. 48% würden in Teilzeit wechseln, wenn man ihnen das erlaubte. Und 81% träumen von der 4-Tage-Woche.
Es sieht also schlecht aus in Deutschland, höchste Zeit, sich darüber klar zu werden, was es braucht, damit die Menschen „Bock auf ihren Job haben“. Denn wenn immer mehr Menschen immer weniger arbeiten – wie soll dann die Wirtschaft noch funktionieren? Es drohen Wohlstandsverluste, weniger Beiträge für die Sozialversicherungssysteme und die Modernisierung kommt zu kurz.
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Bock auf den Job
Mal eine ketzerische Anmerkung vorweg: Diejenigen, die das beklagen, gehören vermutlich nicht zu den 56 oder 48 oder 81%. Und wer darüber berichtet, natürlich auch nicht. Es sind immer die anderen. Aber schauen wir uns die schlauen Ratschläge mal an. Es sind, wie nicht anders zu erwarten, die Führungskräfte, die die Lust auf Arbeit vermitteln sollen. Hackman und Oldham (Job-Characteristic-Theorie) haben das schon 1976 erklärt und fünf Faktoren untersucht: Anforderungsvielfalt, Ganzheitlichkeit, Bedeutsamkeit, Autonomie und Feedback. Damit ist der Auftrag ja wohl klar.
Es geht los mit der berühmten Sinnfrage (Bedeutsamkeit). Manche, wie der hier vorgestellt Lok-Führer, finden den Sinn selbst, andere müssen ihn erklärt bekommen. Also sollten Führungskräfte hin und wieder die Frage stellen, was denn ihr Team stolz macht. In der Regel finden die Menschen die Antwort selbst und motivieren die Kollegen gleich mit.
Dann die Geschichte mit der Autonomie: Witzigerweise wird uns dann jemand vorgestellt, die 70 Stunden die Woche arbeitet. Sie hat sich selbstständig gemacht und leitet ein Unternehmen. Prima Tipp. Entlasst die Menschen in die Selbstständigkeit.
Und abwechslungsreich soll Arbeit sein. Wer immer wieder etwas Neues erlebt, Neues lernt, neue Kollegen kennenlernt, der hat das Dauer-Flitterwochengefühl. Also fleißig für Rotation sorgen. Hier wird jemand vorgestellt, der für eine Zeitarbeitsfirma arbeitet und den ständigen Wechsel genießt.
Besonders wichtig: Feedback! Da ist Führung mal so richtig gefragt. Die erwähnte Unternehmerin sorgt dafür, dass es nach jedem Verkaufsgespräch ein Debriefing gibt. Sie steigt auch mal auf den Tisch und hält eine Ansprache. Oder spendiert eine Flasche Sekt, wenn es einen Erfolg zu feiern gibt.
Für di…
