7. September 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Gleichgewichtsglaube

INSPIRATION: Konservative Menschen sind eher als liberale bereit, minderwertige Ware zu kaufen. Seltsame These, dachte ich – oder seltsame Forschung. Aber die Erklärung machte mich neugierig. Sie könnte auch manch andere seltsame Phänomene verständlicher machen. Worum geht es?

Ausgangspunkt der Forscher an der Tuck School of Business war eine ältere Erkenntnis, dass konservativ Denkende eine Vorliebe für Dinge haben, die als Statussymbole gelten, also z.B. Designerkleidung, schicke Autos oder Uhren. Weil sie an so etwas wie Hierarchie und höhere Ordnung glauben und so ihre Stellung darin unterstreichen wollen. Wie aber sieht es mit Alltagsprodukten aus?


Anzeige:

Kennen Sie das? Sie möchten eine professionelle Beratung, aber nicht noch mehr Termine? Ich biete Ihnen einen geschützten virtuellen Raum, in dem wir in einen schriftlichen Dialog treten – unabhängig von Zeit und Ort. Diese Art der Beratung nennt sich schriftliches, zeitversetztes onlineCoaching und hat sich seit über 20 Jahren bewährt. Zur Webseite...


Keine Ahnung, warum sich jemand mit dem Zusammenhang von politischer Einstellung und Einkaufsverhalten beschäftigt. Vermutlich, um Geschäftsleuten anschließend zu erklären, wie sie ihr Marketing gestalten können. Die eher verblüffende Erkenntnis lautet: Konservative sind eher bereit, beim Kauf von Alltagsgegenständen kleinere Mängel in Kauf zu nehmen als Liberale.

Überraschende Erkenntnisse

In einer „Wochenmarktstudie“ wählten Konservative bis zu 49% häufiger unansehnliche Produkte als Liberale. In einem Experiment, bei dem die Teilnehmer die Wahl zwischen zwei unterschiedlichen Kursen hatten, bei der die eine Leitung schlechter ausgebildet war, „machte jeder zusätzliche Schritt auf der neunstufigen Konservatismusskala die Wahl des schlechteren Angebots um den Faktor 1,3 wahrscheinlicher“ (Kosmisches Gleichgewicht).

Die spannende Erklärung: Konservative glauben an so etwas wie ein „kosmisches Gleichgewicht“. Nach dem Motto „Auf den Regen folgt die Sonne“ sind sie eher der Ansicht, dass sich alles irgendwie ausgleicht. Für Produkte bedeutet das: Negatives wird schon irgendwie durch Positives kompensiert, sie werden also irgendwelche verstärkten Stärken haben oder für etwas anderes gut sein.

Die These überprüften die Forscher durch ein weiteres Experiment: Sie boten zwei USB-Sticks an, von denen der eine eine langsamere Lese- und Schreibgeschwindigkeit hatte – und fanden das gleiche Muster. Dann gaben sie einer Gruppe einen Text zu lesen, indem Situationen und deren positive und negative Aspekte beschreiben wurden. Bei den liberalen Teilnehmern, die diese „Gleichgewichtsaussagen“ gelesen hatten, stieg das Interesse an den minderwertigen Sticks, die Unterschiede zu den Konservativen verschwanden.

Noch ein interessantes Experiment: Gab man Konservativen eine Denksportaufgabe, sich z.B. eine achtstellige Zahl zu merken, verringerte dies im anschließenden Versuch ihr Interesse an dem weniger qualitativen Produkt. Erklärung: „Kompensatorische Argumentation ist ein komplexer Prozess, der einiges an kognitiven Ressourcen benötigt.“ Wird man auf diese Weise also abgelenkt, bleibt keine Zeit für die Vorstellung, das…

Johannes Thönneßen

Dipl. Psychologe, Autor, Moderator, Mitglied eines genossenschaftlichen Wohnprojektes. Betreibt MWonline seit 1997. Schwerpunkt-Themen: Kommunikation, Führung und Personalentwicklung.

Alle Beiträge ansehen von Johannes Thönneßen →

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert