13. April 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Glückpilze

INSPIRATION: Wir bewundern besonders erfolgreiche Menschen und sind ganz erpicht auf ihre Erfolgsrezepte. Irgendetwas müssen sie ja anders machen als andere, es kann nicht sein, dass ihr Erfolg auf Zufall beruht. Tut er aber, wie ein Verhaltensforscher in einem neuen Buch nachweist. Mit Konsequenzen für Personalentscheidungen.

Das Buch von Chengwei Liu heißt schlicht „Luck“, wird im Handelsblatt vorgestellt und belegt, dass wir die Fähigkeiten von extrem erfolgreichen Menschen in der Regel überschätzen, während wir den Einfluss von Glück und Zufall unterschätzen (Sieger werden überschätzt). Am Beispiel des Microsoft-Gründers Bill Gates wird das verdeutlicht. Er stammte nicht nur aus einem guten Elternhaus, sondern dazu noch aus einem, das zur damaligen Zeit schon einen Computer besaß. Gates selbst hat wohl mal gesagt, dass in dieser Zeit kaum mehr als 50 Kinder in den USA Zugang zu einem Computer hatten.

Sodann kannte Gates Mutter den CEO von IBM gut, was sicherlich eine Rolle spielte, als IBM die Software von Gates auf allen Rechnern installierte. Wie viele Talente gehen wohl verloren, weil im Elternhaus niemand Mozart kennt und dort auch kein Klavier steht?

Fazit: Ob es jemand ganz nach oben schafft, hängt fast immer vom Zufall ab. Also, so die Schlussfolgerung des Autors, könnte man auch bei der Besetzung von Spitzenpositionen den Zufall entscheiden lassen. Denn diejenigen, die in der zweiten Reihe stehen, sind alle gleich gut, warum also riskieren, dass unschöne Machtspiele und Positionsgerangel einsetzen und den Start des neuen CEO beeinträchtigen?

Für Unternehmen und Organisationen lautet der Rat: Schauen Sie mehr auf die zweite Reihe. Denn, so die Erkenntnis: Zwar wird man auch hier sicher nicht hingelangen ohne gute Voraussetzungen, aber das Glück und der  Zufall spielen dabei eine geringere Rolle als Kölnnen, Talent und Engagement. Das klingt einleuchtend, zumal es noch weitere Argumente für den Fokus auf die „Zweitbesten“ gibt.

Liu hat sich die Musikindustrie angeschaut und festgestellt, dass Musiker, die in den Charts auf den Plätzen 20 bis 30 einstiegen, langfristig erfolgreicher sind als jene, die es sofort an die Spitze schaffen. Auch hier spielt das Glück eine Rolle, und das hilft eben nicht regelmäßig. Mehr noch: So wie Überraschungs-Hits oft Eintagsfliegen bleiben, so fallen Unternehmen, die einen extrem raschen Aufstieg hinlegen, anschließend häufiger wieder zurück als Unternehmen mit einer deutlich langsameren Wachstumskurve.

Schließlich ein letzter Tipp: Das mit dem Zufall und Glück gilt umgekehrt auch für diejenigen, die ganz unten in der Leistungsrangfolge stehen. Hier ist es oft Pech, ob man Letzter oder Vorletzter ist, also kann man auch die Zweitschlechtesten vor die Tür setzen. Oder zumindest genauer hinschauen, woran es liegt, dass jemand nicht mithalten kann.

Liu hat auch eine Erklärung für unseren Drang, uns die erfolgreichen Menschen zum Vorbild zu nehmen. Das nämlich war durchaus sinnvoll in früheren Zeiten, als die Menschen noch in kleineren Gruppen lebten. Das erhöhte die Überlebenschancen. Heute, in größeren Gesellschaften, führt es nur zu „Wadenbeißerei“ und „verschärft das Problem der sozialen Ungleichheit“.

Fragt sich dann nur, wie man verhindern will, dass alle auf die Superstars schauen. Werden Fußballvereine demnach nicht mehr Millionen für die Top-Spieler zahlen, sondern per Los entscheiden, wer von den Spielern aus der zweiten Reihe einen Vertrag erhält? Ist sicher unrealistisch, schade eigentlich. Denn dann würde sich zeigen, dass einige von ihnen zu Top-Stars werden und das letztlich einem Los zu verdanken haben.

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