7. September 2026

Management auf den Punkt gebracht!

Haarspaltereien?

KRITIK: The Map is not the Territory: Eine Führungskraft, die aktiv zuhört, bleibt eine Führungskraft, wird dadurch nicht zum Coach. So wie ein Coach auch nicht zur Führungskraft wird, wenn sie ein Mitarbeitergespräch simuliert. Doch die Versuchung, die Grenzen zwischen Führung und Coaching zu verwischen, ist groß.

Es ist kein Geheimnis: Autor Jörg Middendorf (Die Führungskraft als Coach) und ich kennen – und schätzen – uns seit über 20 Jahren. Wir haben jüngst gemeinsam ein Buch veröffentlicht (Geschäft statt Hobby). Aber es gibt auch Themen, zu denen wir unterschiedliche Ansichten haben. Die Führungskraft als Coach ist ein solches Thema. Da bekanntlich der Streit die Mutter der Porzellankiste ist, tragen wir diesen öffentlich aus: Er in einem Beitrag der Zeitschrift people & work, ich mit dieser Besprechung. Möge das Publikum das anregend und unterhaltsam finden.


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Aufschlag Middendorf – mit einer steilen These: „Eine Führungskraft ist keine echte Führungskraft, wenn sie ihre Mitarbeitenden nicht coacht. Jeder Business Leader mit Personalverantwortung hat die Pflicht, die eigenen Mitarbeitenden zu coachen.“ Seine Begründung für anhaltende kontroverse Diskussionen dieser These lautet, Coaching sei nicht eindeutig definiert. Ich wende das gleich einmal auf die steile These an: Jeder Business Leader mit Personalverantwortung hat die Pflicht, mit seinen Mitarbeitern irgendetwas Undefiniertes zu machen.

Alles Coaching?

Nun seien die Deutschen traditionell päpstlicher als der Papst, machten es sich folglich mit Haarspaltereien schwerer als nötig. Middendorf polemisiert gegen marketinggetriebene Ausflaggungen, die seit 20 Jahren den erkennbaren und verständlichen Grund haben, Coaching von anderem (Ähnlichen) als etwas Besonderes (Exquisites) abzugrenzen. Ich stimme hier zu und ergänze, der Abgrenzung war auch nur mäßiger Erfolg beschieden. Die Balz hat lediglich dazu geführt, dass sich in den letzten zehn Jahren diverse Verbände, die ursprünglich mit einem Alleinstellungsmerkmal wie Training, Verkaufsberatung oder Supervision angetreten waren, sich in „Verein für … und Coaching“ umbenannt haben. Offensichtlich gibt es eben auch viele Gemeinsamkeiten. Alles Coaching? Dann wird der Begriff zur Worthülse. Was nicht bedeuten muss, dass man damit das Thema abhaken muss. Mit der Leerstelle als Projektionsfläche können etliche Geschäftstüchtige fleißig schöne Kleider für den Kaiser schneidern. Wenn s…

Thomas Webers

Dipl.-Psych., Dipl.-Theol., Fachpsychologe ABO-Psychologie (DGPs/BDP), Lehrbeauftragter der Hochschule Fresenius (Köln), Business-Coach, Publizist

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Ein Kommentar zu „Haarspaltereien?

  1. Haarspaltereien – Da kenne ich mich aus, erst recht mit dem Thema alte Zöpfe abschneiden.

    Coaching oder Führung? Alte Zeit oder neue Zeit? Diese Frage stellt sich mir da!

    Ich bin jetzt seit über 23 Jahren als Seminarleiter tätig, 19 Jahre als Unternehmer mit 4 Betrieben. Und ja die Überschrift zielt auf meinen Berufsstand ab, ich bin unter anderem Friseurunternehmer. Des Weiteren arbeite ich als Trusted Advisor und StärkenCoach.

    Aus meinen Erfahrungen der letzten Jahre kann ich sagen, dass das Thema „Führung“ einen großen Wandel erfahren hat. Da geht es nicht mehr um Top down, Weisungsbefugnis und „ich sage euch, wo der Weg lang geht“. Das Gegenteil ist der Fall. Jeder möchte seine Stärken ausleben, im Unternehmen seine Gedanken und Entscheidungen mit einbringen. Und ja, meine Schwächen als Chef einzugestehen und festzustellen, dass andere Mitarbeiter in den Bereichen besser agieren, gehört für mich als Geschäftsführer dazu. Hierarchie ist da der alte Ansatz, ein Spielfeld für die Stärken und Talente jedes Einzelnen zu schaffen, die neue Art der Zusammenarbeit.

    Zu Ihrem Ansatz der Kündigung, die niemals dem Chef geäußert wird:
    Eine Mitarbeiterin hat mir letzen Monat noch gesagt, dass sie vor hatte zu Wechseln, und jetzt bleiben wird. Der Grund ist, dass ihr die Möglichkeiten in der Persönlichkeitsentfaltung und der wertschätzenden Zusammenarbeit auf einer Ebene mehr bedeuten als das Geld und die Nähe zum möglichen anderen Unternehmen. Für mich gehört das zum Vertrauen gegenüber beiden Seiten, Chef und Mitarbeiter.

    Der Möchtegern-Coach, ein Begriff Ihrer Wahl, von jeglicher Sachebene entzogen, zeigt nur, dass Unternehmen in der neuen Welt nicht mehr auf alte Bewertungssysteme zugreifen -> Zeugnisse und Studiengänge haben bei weitem nicht mehr den Stellenwert, wie es einmal gewesen ist. Da zählen Stärken und Talente des Coaches, Expertise, Weitblick und Meta-Ebene, Lebenserfahrung sowie Menschenkenntnis. Und der wichtigste Punkt – > Vertrauen zu der möglichen Zusammenarbeit!

    Daher benötigt es für mich keine Regeln in Bezug auf Führung oder Coaches, sondern Freude am Tun selbst. Der Begriff Führung ist für mich sogar negativer belastet als das Wort Coach. Unterm Strich geht es immer um Wachstum, sei es das Unternehmen selbst oder der Mitarbeiter. Keiner kann da ohne den anderen.
    Hier denke ich immer an einen Satz bei meinen Vorträgen in den Meisterschulen: Der Meisterbrief bestätigt dir den Abschluss einer Prüfung, die Anzahl deiner Kunden / deren Umsätze zeigen deine beruflichen Fähigkeiten.

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