12. Juni 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Influencer in eigener Sache

KRITIK: Wer im Gespräch bleiben will, das postet regelmäßig in den sozialen Medien und in den Karrierenetzwerken. Wer dazu keine Zeit hat, der lässt posten. Hauptsache, man ist präsent. Das fördert die eigene Karriere. Natürlich haben Experten die passenden Tipps parat. Mir ist das so suspekt wie mir schon immer die Idee mit der „persönlichen Marke“ seltsam vorkam.

Die Tipps lauten: Man muss nicht ständig online sein, 15 Minuten pro Tag genügen. So macht es eine Deutsche Bahn Vorständin, die sich „vorher genau überlegt, was heute die beste Geschichte ist, dann reicht das aus.“ Ach was, denke ich, die Ärmste. Da muss sie sich jeden Tag eine neue Geschichte überlegen? Aber so ist das wohl, wenn man für das Thema Kommunikation zuständig ist. Aber das ist sie gar nicht, sie postet in eigener Sache und hat mehr Follower als der Vorstandsvorsitzende. Wenn das mal nicht irgendwann Ärger gibt…

Ein weiterer Tipp: Wenn einem nicht immer die passende Geschichte einfällt, dann hier und dort einen weisen Kommentar absetzen, auch so taucht man in der Timeline auf. Regelmäßig in Erscheinung zu treten ist das Wichtigste. Zu viel Zeit in den Netzwerken verbringen tut aber auch nicht gut, dann fragt sich irgendwann der Chef, wann man denn die eigentliche Arbeit verrichtet. Und gleichzeitig muss man wohl hoffen, dass andere genau das tun: Ständig ihre Zeit bei Twitter oder LinkedIn verbringen und lesen, was Top-Manager verzapfen.

Und schließlich: Man muss Kritik aushalten können und „im Zweifelsfall sofort reagieren„. Also irgendwie doch immer den Bildschirm oder das Smartphone im Blick behalten. Wow, wie anstrengend.

Ich schreibe viel, sehr viel. Weil ich mir das als berufliche Tätigkeit ausgesucht habe. Und hin und wieder mache ich auf meine Texte bei LinkedIn oder Twitter aufmerksam. Ich poste, wenn ich über ein interessantes Thema gestolpert bin und suche nicht jeden Tag eine neue Geschichte. Deshalb habe ich vermutlich auch nicht viele „Follower“. In dem Beitrag der Wirtschaftswoche (Operation ich) werden weitere Manager vorgestellt, die regelmäßig auf Twitter oder LinkedIn unterwegs sind. Da sind einmal diejenigen, die tatsächlich selbst Nachrichten verfassen, weil es zu ihrem Job gehört. Sie sind hauptberuflich für den Auftritt ihres Unternehmens zuständig und werden daran gemessen, dieses angemessen zu präsentieren. Da kann ich nachvollziehen, dass sie ständig online sind. Aber Influencer in eigener Sache? Donald Trump lässt grüßen.

Offenbar hat man die Idee auch so einigen Top-Managern verkauft, die das Schreiben „outsourcen“. Sie verpflichten eine Agentur, opfern sogar zwei Stunden pro Woche, um mit dem PR-Team die Themen durchzugehen, Bilder und Videos freizugeben. So z.B. der VW Chef. Das ist dann sogar noch deutlich mehr Zeit als die empfohlenen 10 Minunten zum selbst schreiben. Die Agentur verdient prächtig daran und empfindet sich als eine Art Redeschreiber für den Vorstand.

Schließlich ist da noch der Unternehmer, der über das schreibt, was sich so in seinem Unternehmen tut. Aber nur dann, wenn sich auch etwas Interessantes ergibt. Er vertritt – wie der Kommunikationsprofi auch – das Unternehmen, ist praktisch das Gesicht nach außen. Ergibt Sinn, finde ich. Alles andere empfinde ich als peinlich.

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