KRITIK: Ich muss mal was Grundsätzliches loswerden. Immer häufiger erscheinen Artikel oder gar ganze Bücher, in denen wir aufgeklärt werden, dass das, was gerade von den einen verkündet wird, auf Irrtümern oder Mythen basiert. Und dann wird gezeigt, wie die Welt „tatsächlich“ ist. Das soll vermutlich größere Schäden verhindern, vor allem aber dem Ansehen der Autoren dienen.
Das Muster solcher Beiträge ist stets das Gleiche: Es wird eine These in den Raum gestellt, zum Beispiel „In vielen Organisationen wird betont, dass es vor allem auf den Menschen und dessen Mindset ankommt, und dass sich die Mitarbeitenden als ganze Menschen einbringen können, sollen und müssen“ (Missverständnis Menschlichkeit). Anschließend wird an verschiedenen Aspekten angesagter Managementkonzepte diese These „belegt“.
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Um der Argumentation dann mehr Nachdruck zu verleihen, werden anschauliche Beispiele aus der Unternehmenspraxis gezeigt, die beweisen sollen, wie schädlich es sein kann, dem Mythos oder Irrtum zu erliegen. Um am Ende mit sehr banalen Ratschlägen um die Ecke zu kommen. Beispielsweise dass man sich der Folgen bewusst sein sollte. Oder dass man die Aufmerksamkeit auf das wirklich Wichtige richten soll, in diesem Fall zum Beispiel lieber an den Strukturen als am Menschen anzusetzen.
Wenn ich dann die Irrtümer und Mythen 1 bis 5 (manchmal sind es auch mehr, selten weniger) lese, dann frage ich mich oft, wer denn tatsächlich so denkt. Ein Beispiel: Erweiterte Handlungsspielräume als Beleg für die These, dass Unternehmen unter dem Deckmantel „Menschlichkeit“ („damit unsere Mitarbeiter glücklicher sind“) zu sehr den Menschen in den Mittelpunkt rücken. Statt Mitarbeitenden genau vorzuschreiben, wie eine Tätigkeit ausgeübt werden muss („Wenn der Gast ein Bier bestellt, bringt der Kellner es ihm“), nennt man ihm nur den Zweck bzw. das Ziel und überlässt ihm das „Wie“. Damit hat er mehr Handlungsfreiräume und es geht ihm und der Organisation gut.
Reim‘ Dich oder ich fress‘ Dich
Jetzt der „Irrtum“: Wenn dem Mitarbeitenden nicht die zur Erfüllung des Zwecks notwendigen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, dann muss er sic…
