24. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Metakompetenzen

KRITIK: Welche Fähigkeiten benötigen wir, um mit dem Unerwarteten, dem Unverhofften umzugehen? Die Aussage liest man immer wieder: Früher genügte eine Ausbildung oder ein Studium, in denen uns ein mehr oder weniger umfangreiches Wissen eingetrichtert wurde, aber heute sind solche Abschlüsse maximal als Grundlage geeignet. Sie helfen uns kaum in Zeiten, in denen die Arbeitswelt immer komplexer wird und sich dazu noch die Umstände immer wieder dramatisch ändern.

Reinhard Sprenger hält daher Metakompetenzen für immer wichtiger (Nichts ist perfekt). Gemeint sind Fähigkeiten, die in vielen Situationen nützlich sind. Es hilft mir wenig, wenn ich einen Benzinmotor reparieren kann, aber die meisten Maschinen elektrisch angetrieben werden. Und morgen vielleicht gar noch anders. In diesem Fall benötige ich so etwas wie Lernfähigkeit. Wenn ich neugierig bleibe, flexibel, breit interessiert bin, dann werde ich bei solchen Veränderungen weniger Sorgen haben müssen.


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Und welche Kompetenzen sind laut Sprenger wichtig? Vor allem die Fähigkeit zur Kurskorrektur. Soll heißen: Wenn wir feststellen, dass unsere Pläne nicht mehr zur Entwicklung passen, dann müssen wir in der Lage sein, sie anzupassen, nicht auf ihnen zu beharren. Dazu kommt die Fähigkeit zum praktischen Entscheiden, hier vor allem der Umgang mit Mehrdeutigkeiten. Wir müssen in der Lage sein, gelassen und passend zur Situation „angemessen zwischen Widersprüchen zu pendeln“. Die berühmte Ambiguitätskompetenz.

Klingt einleuchtend, aber wo lernen wir das? Durch Bildung, nicht durch Pauken und Aneignung von Wissen. Bildung erlangen wir durch Beschäftigung mit Kunst, mit Malerei, Musik und Theater. Weil wir hier lernen, „alternative Wertvorstellungen nicht zu ächten“. Wir werden mit Dingen konfrontiert, die uns fremd sind, so lernen wir, „Menschen nicht abzuwerten, die andere Werte vorziehen.“

Keine Zertifikate für Bildung

Ja, denke ich, da ist was dran, und klar: Für solche Kompetenzen wird es kaum Zertifikate geben. Aber vermutlich werden Unternehmen jetzt nicht anfangen, ihre Mitarbeiter in Museen und Theater zu schicken oder sie gemeinsam Kunstwerke erschaffen oder Gedichte schreiben zu lassen. Da werden wir uns wohl selbst drum kümmern müssen. Aber ganz abwegig ist es nicht, bei dm gibt es während der Ausbildung tatsächlich Theaterworkshops.

Irritiert bin ich dann wieder, wenn am Ende eine Metakompetenz als die wichtigste bezeichnet wird: Sich zu entscheiden angesichts der unendlichen Möglichkeiten und zu den Entscheidungen zu stehen. Und nicht bei der nächsten Gelegenheit alles über den Haufen zu werfen und die nächste Option zu ergreifen aus Angst, etwas zu verpassen. Der direkte Widerspruch zur erstgenannten Kompetenz zur Kurskorrektur. Da stehe ich nun da und weiß nicht: Ändere ich meine Entscheidung und bin besonders gut im Korrigieren oder bleibe ich dabei und bin gut darin, zu ihr zu stehen? Das ist wohl einer der zentralen Widersprüche, und da soll ich nun auch noch gelassen bleiben.

Paradoxien

Das ist wohl das Drama: So wie es zu jedem Wert einen Gegenwert gibt, so hat jede Kompetenz ihren Gegenpol: Ich soll zu meiner Entscheidung stehen, aber sie passend zur Situation aufgeben. Ich soll andere Werte schätzen, aber meine Werte verteidigen. Einerseits mir vertrauen, andererseits mir aber meine Skepsis und meine Zweifel erhalten.

Ich tendiere ja dazu, die Fähigkeit zur Gelassenheit als wichtigste „Metakompetenz“ zu verstehen, aber es wird Situationen geben, in denen ich meine Gelassenheit über Bord werfen und mich richtig schön aufregen muss, um genug Energie zu entwickeln, die Dinge zu verändern. So wird die Sache fast beliebig, am Ende heißt es: Wir brauchen eine Meta-Meta-Kompetenz, die da lautet: Die Fähigkeit, das Richtige zu tun. Na toll.

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