23. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Superstars

KRITIK: Ich schicke mal etwas vorweg – nämlich dass ich mich ärgere. Über den Blödsinn, der immer wieder in Sachen „Superstars im Unternehmen“ verzapft wird. Mag sein, dass Personaler mit dem Thema bei ihrem Vorstand punkten können, und niemand bestreitet, dass einzelne Mitarbeiter besonders wertvoll sein können. Aber was soll der Versuch, die „Verteilung“ von Leistung statistisch zu ermitteln? (Kennen Sie die Superstars in Ihrem Unternehmen?)

Angeblich haben Untersuchungen ergeben, dass Leistung in einer Organisation nicht normalverteilt ist, sondern dem Pareto-Prinzip folgt. Genauer gesagt: Bisher galt die Annahmen, dass ein kleiner Teil der Mitarbeiter wenig auf die Reihe kriegt, die Masse eine durchschnittliche Leistung bringt und einige wenige Top-Leister sind. Deshalb werden viele Beurteilungssysteme auch so gestaltet, dass Führungskräfte ein paar Mitarbeitern schlechte Noten, ein paar Bestnoten und dem Rest eine 3 geben sollen.


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Nun aber gibt es Studien, die eine andere Verteilung nahe legen. Man hat Basektballer, Politiker, Forscher, Schauspieler, Oscar-Gewinner, Call Center Agenten, Bankberater, Elektriker und Kassierer untersucht und deren Output gemessen. Wenn man diesen aufaddiert, kommt man auf die Gesamtleistung einer Organisation (ich frage mich, wie man das bei Schauspielern macht). Und dann dann geschaut, wer wie viel zu der Gesamtleistung beigetragen hat.

Und siehe da: Ein kleiner Teil, 20 bis 30%, erbringen 80 bis 90% der Leistung. Das spricht eben nicht für eine Normal-, sondern für eine Pareto-Verteilung. Nach dem italienischen Volkswirt Pareto, der herausfand, dass in vielen Volkswirtschaften 20% der Menschen 80% des Vermögens besitzen.

Diese Erkenntnis, so Niko Rose im Personalmagazin, hätte weitreichende Folgen für das Talentmanagement, die Performance-Messung und die Vergütung. Ist ja klar: Wenn 20% der Mitarbeiter für 80% des Umsatzes, des Gewinns, der Produktion, der Forschungsergebnisse usw. verantwortlich sind, und der große Rest kaum einen nennenswerten Beitrag bringt, warum letzteren dann überhaupt noch etwas bezahlen? Eigentlich könnte man sie ja auch gleich entlassen und viel Geld sparen. Dann könnte man ja auch mit 80% des Ergebnisses leben.

Ich finde schon die Annahme der Normalverteilung bei der Messung von Leistung schwachsinnig, umso mehr diese „neuen Erkenntnisse“. Vermutlich wiederhole ich mich – aber Leistung ist doch nicht das Äquivalent von „verkaufte Einheiten“ oder „erzielte Körbe beim Basketball“ oder „Oscars“ in Hollywood. Und erst recht ist die Leistung einer Organisation nicht die Addition der Leistung aller Beteiligten.

Wenn schon Sport, dann vielleicht mal dieses Beispiel: Ich lasse zwei Mannschaften aus je vier Mitgliedern gegeneinander im Tauziehen antreten und messe, wie viel Kilogramm jeder einzelne gezogen hat. Und dann stelle ich fest, dass über den ganzen Zeitraum ein Mitglied (=20%) 80% der Gesamt-Menge gezerrt hat. Dummerweise hat er in dem Moment, als die andere Mannschaft fast geschlagen war, einen Schwächemoment gehabt, aber zum Glück habe die anderen drei Minderleistung in diesem Moment ihre 20% beigesteuert und den Sieg errungen.

Will sagen: Der ganze Quatsch mit solchen Statistiken verführt nur noch mehr zur Suche nach den Stars, die für den Erfolg sorgen und zum Verhätscheln von vermeintlichen Talenten. Nun werde ich dem Artikel allerdings nicht ganz gerecht. Die Schlussfolgerung von Herrn Rose aus den Studien ist nämlich eine andere. Wenn die Pareto-Verteilung gilt, dann sollte man bei der Bewertung (und damit auch bei der Honorierung) bei den Spitzenleuten besonders genau hinschauen und „extrem feine Unterschiede im oberen Ende der Verteilung“ abbilden. Kleinste Unterschiede machen hier nämlich den Unterschied und zeigen große Wirkung. Soll nichts anderes bedeuten als dass man diejenigen, die wirklich Großes leisten, ganz besonders pflegen und hegen sollte.

Keine Frage: Wenn ich einen begnadeten Forscher oder Programmierer oder Verkäufer in meinen Reihen haben, wäre ich bescheuert, diesen nicht zu fördern, besonders zu unterstützen und meinetwegen auch zu honorieren. Damit haben auch Sportmannschaften mit einem Superstar kein Problem. Und das ist so banal, dass ich mich schon wieder ärgere auf diesen Quatsch überhaupt reagiert zu haben.

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