4. März 2024

Das Beste aus der Fachliteratur

Mindfulness als Führungskonzept?

KRITIK: So etwas können sich nur Personalentwickler ausdenken. Eine achtsame Lebensweise, ob beruflich oder privat, tut den Menschen gut. Achtsame Führungskräfte auch, weil sie menschlicher, empathischer und natürlich auch effektiver führen. Fehlt noch das passende Konzept und die entsprechenden Maßnahmen.

All das gibt es bei IBM. Dort nämlich existiert ein „Fünf-Säulen-Konzept“ mit dem einprägsamen Namen „Positive Leadership Edge@IBM“, und die fünf Säulen heißen:


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  1. Growth Mindset – Erweiterung der eigenen Denkweise, die Überzeugung, dass man Fähigkeiten stets weiter entwickeln kann und dass man Wissenslücken als Chance begreift.
  2. Resilience – die psychische Widerstandsfähigkeit und die Fähigkeit, größere Belastungen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen.
  3. Egagement & Inclusion – die emotionale Bindung an den Arbeitgeber, der Einsatz für dessen Ziele als auch die Wertschätzung der unterschiedlichen Fähigkeiten und Erfahrungen der Mitarbeiter.
  4. Agility – verstanden als Wertegerüst aus Vertrauten, Respekt, Offenheit, Empathie und Mut.
  5. Transparency & Trust – Ehrlichkeit und das Offenlegen von Informationen.

Was das alles mit „Mindfulness“ zu tun hat? Naja, Achtsamkeit unterstützt diese fünf Säulen der Führung bei IBM. Weil Achtsamkeit irgendwie gut für alles ist, also auch für die Führung von Menschen: „Die Einführung und ein kontinuierliches Unterstützen einer achtsamen Lebensweise im Betriebsalltag kann als „Mindfulness Leadership“ bezeichnet werden“. Als solche ist sie Teil der „Positive Leadership“ bei IBM. Alles klar?

in dem Beitrag der Personalführung (Mindfulness als Führungskonzept in der Transformation) wird auch erklärt, was Mindfulness eigentlich bedeutet, und zwar die Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments in voller Aufmerksamkeit. Wobei die Wahrnehmung des Augenblicks sich auf vier Bereiche richtet:

  • Den eigenen Körper (Atmung, Haltung und Tätigkeiten des Körpers)
  • die eigenen Gefühle (posivite, negative oder neutrale Empfindungen)
  • den Geisteszustand (bin ich aufmerksam, verwirrt, gelangweilt…?)
  • Geistesobjekte (gemeint sind alle Dinge, die vom Geist wahrgenommen und betrachtet werden).

Hier bin ich etwas verwirrt, weil Körper, Gefühle und der Geisteszustand selbst ja auch Geistesobjekte sind, oder? Aber vermutlich sind hier alle anderen Dinge gemeint, sozusagen der Rest meiner Wahrnehmungsgegenstände wie z.B. andere Menschen, das Wetter, die Stimmung um mich herum usw.

Wenn nun Führungskräfte, die schon nach dem fünf Säulen-Modell führen, dazu auch noch achtsam sind, dann kann ja nichts mehr schief gehen. Aber wie unterstützt ein Unternehmen eine achtsame Lebensweise von Führungskräften?

Bei IBM gibt es

  • eine Mindfulness-Online-Community, die dem Informationsaustausch dient. Diese soll sich als „Graswurzelbewegung“ selbst gegründet haben. Da werden Übungen, Erfahrungsgeschichten und Zitate geteilt also auch virtuelle Treffen zum gemeinsamen Meditieren abgehalten.
  • Workshops, um „den Sinn und die Umsetzung von Mindfulness zu transportieren“. Hier werden auch Atemübungen, Meditationen und Yogaübungen erklärt.
  • eine Leaership-Academy, wo die fünf Säulen vermittelt werden, hier ist Mindfulness ein wichtiger Bestandteil.
  • „Meditations-Räume“ an allen Standorten in Europa, wo sich Mitarbeiter eine „Atempause im Arbeitsalltag“ gönnen können.
  • ausgebildete Ansprechpartner, die ein sechswöchiges Training und am Ende ein Zertifikat als „Subject Matter Expert“ erhalten. Damit können „sie am eigenen Standort achtsame Pausen, Spaziergänge oder sogar Yoga- und Meditationssessions anbieten“ (Achtsam verändern).

All das soll gut ankommen und Wirkung zeigen. Laut interner Umfragen geben 86% an, dass sie sich ihrer Reaktionen bewusster sind. Auch die Kommunikation habe sich verbessert. Man ist dabei, weitere Umfragen durchzuführen, um herauszufinden, wie Mitarbeiterzufriedenheit sich auf den beruflichen Alltag auswirkt.

Interessanter Satz: „Der Mindfulness-Ansatz setzt starke Akzente auf die wirkliche Gesundheit jedes Mitarbeiters, die langfristig die Betriebsgesundheit stärken“. Leider, so die Autoren, würden „gesundheitsbezogene Maßnahmen für Mitarbeiter oft mit Motiven reiner Umsatzsteigerung betitelt“.

Ist doch immer wieder witzig: Die Botschaft soll wohl lauten: Uns geht es um eure wirkliche Gesundheit, nicht um Umsatzsteigerung. Das ewige Dilemma der Personalentwickler: Einerseits wollen sie nicht als „Gutmenschen“ verschrien sein, die sich um das Wohlbefinden und die persönliche Entwicklung der Menschen Gedanken machen statt den strategischen Zielen und damit dem Profit ihres Arbeitgebers zu dienen. Andererseits wollen sie nicht den Anschein erwecken, sie hätten nur den Gewinn im Auge und alle schönen Maßnahmen sind nur Mittel zum Zweck. Ist ja auch schwierig, schließlich sind sie auch „nur“ Mitarbeiter, die dafür sorgen müssen, dass der Laden langfristig erfolgreich ist.

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