27. Mai 2024

Management auf den Punkt gebracht!

Smarte Personaler

KRITIK: Weiter geht es mit meiner Suche nach interessanten Anwendungen künstlicher Intelligenz im Zusammenhang mit Personalarbeit. Ein Verdacht: Der Personaler muss zeigen, dass er mithalten kann. Aber vielleicht gibt es ja tatsächlich KI-Anwendungen, die in der Personalarbeit Nutzen stiften. Bei VW gibt es eine Initiative mit Namen „Smart HR“, hierzu wurde ein Team aus IT-Spezialisten mit HR Hintergrund zusammengestellt, das mit spezialisierten Start-ups und „etablierten Firmen“ zusammenarbeitet (KI in der HR-Arbeit). Drei Ansätze werden dabei verfolgt: 

Robotic Process Automation (RPA): Es geht wie eigentlich überall darum, Prozesse zu automatisieren, um die Mitarbeiter zu entlasten (könnte natürlich auch dazu führen, dass welche entlassen werden, was zumindest in der Produktion nicht ungewöhnlich wäre) und Kosten zu reduzieren.


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Enterprise Chatbots: Damit können Bewerber und Mitarbeiter mit Maschinen sprechen, was auch die HR-Mitarbeiter entlasten soll.

Custom AI: Hier soll KI in bestehende Anwendungen integriert werden – wie auch immer das aussehen mag.

Also geht es vor allem erst mal darum, Mitarbeitern lästige Arbeiten abzunehmen, damit diese sich um wichtige Dinge kümmern können. Aber welche sind das? Hier die Beispiele:

Mit RPA werden Abwesenheiten bei Krankmeldungen in SAP bearbeitet, damit wird „die Berichterstattung zum Thema „Konzernbelegschaftszahlen unterstützt.“ Das Programm sorgt auch dafür, dass die Abwesenheitsbescheinigung korrekt abgelegt werden. Letztlich geht es um Personalcontrolling und Dokumentation: So weiß jede Führungskraft, wann welcher Mitarbeiter fehlt bzw. gefehlt hat und die entsprechenden Berichte liefern die korrekten Zahlen. Schön, wenn das keine Menschen mehr mit der Hand machen müssen.

Problem dabei: Zu wirklichen Kosteneinsparungen ist es dabei noch nicht gekommen. Ist auch schwierig zu berechnen, sagen die Autoren. Außerdem gab es Fehler im System, die dazu führten, dass Mitarbeiter ihm nicht trauten und dann die Schritte selbst noch mal überprüften. Schließlich scheinen die Mitarbeiter auch ein Stück überfordert worden zu sein: Die RPA-Bots arbeiten zu schnell, die Mitarbeiter kommen nicht hinterher und werden von einer E-Mail-Flut überfallen. Da klingt Optimierungspotenzial an. Eine Möglichkeit: Auch die Mails werden automatisch gelesen und interpretiert. Maschinen sprechen mit Maschinen. Aber das ist noch nicht umgesetzt, man prüft noch.

Die Enterprise Chatbots werden auch schon eingesetzt, zum Beispiel bei Fragen von Praktikanten. Zu dumm, dass die „Nutzer erstens ganz anders als angenommen nach bestimmten Dingen fragten und zweitens Aspekte wissen wollten, für die der  Chatbot nicht traininert war.“ Na sowas – man wusste vorher nicht, was Praktikanten wissen wollen? Nun befinden sich neue Chatbots in der Entwicklung.

Bleibt Custom AI – hier wird als Anwendungsbeispiel das Matching für das interne Mentorenprogramm genannt. In 15 Stunden hat das Smart HR Team eine eigene kleine Software hierfür entwickelt. Sie findet „die perfekte Zuordnung von Mentees zu Mentoren.“ 

Zweiter Anwendungsfall: Wenn Mitarbeiter eine Idee für das betriebliche Vorschlagswesen einreichen, dann muss diese von Gutachtern bewertet werden. Ihnen wird nun geholfen, indem die Software unter 1,4 Millionen eingereichten Vorschlägen die zum neuen Vorschlag passenden heraussucht – dann können Gutachter nachlesen, ob es schon ähnliche Vorschläge gibt und wie diese bewertet wurden.

Ob das nun alles wirklich die genialen Anwendungen für KI im Personalbereich sind, wage ich mal zu bezweifeln. Optimal scheinen sie mir noch nicht zu funktionieren. Und mich beschäftigt ein Gedanke besonders: Stets geht man von dem Bestehenden aus, und anstatt das zu hinterfragen, entwickelt man eine Software. Berichtswesen über Anwesenheitstage? Zentrales Bearbeiten von Verbesserungsvorschlägen? Beantwortung von Praktikantenfragen? Vielleicht schaut man erst einmal, ob das tatsächlich die Herausforderungen der Zukunft für HR sind…

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