INSPIRATION: Wer eine flexible und agile Organisation möchte, der kommt nicht daran vorbei, die Hierarchie als führendes Organisationsprinzip abzuschaffen, sagt ein Arbeitspsychologe. Das ist mehr als flache Hierarchien einzuführen. Das nämlich, so eine Erkenntnis eines Besuchers im Silicon Valley, klappt nicht und wird wieder rückgängig gemacht. Stattdessen wird stark von oben durchgesteuert.
Man hatte es sich so schön vorgestellt. Weil die mittleren Führungsebenen die Entscheidungsprozesse doch so arg verlangsamten und die Strategien, die von oben kamen, nur zögerlich umsetzten (wenn überhaupt), müsste man sie einfach nur abschaffen. Dann hätten die operativen Teams endlich die Freiheit, die sie benötigen, können sich selbst organisieren und der Laden läuft.
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Ein Personalmanager eines deutschen IT-Unternehmens weilte einen Monat im Silicon Valley und hat sich umgeschaut, wie denn dort Unternehmen organisiert sind (Silicon Valley: „Same same but different“). Er sprach mit 30 Personen aus 20 Unternehmen und stellte fest, dass dort die Führungsspannen wieder kleiner werden. Wo 20 Entwickler auf eine Führungskraft kamen, häuften sich die Probleme, die Führungskraft war mit der Kommunikation überfordert, keiner konnte verantwortlich gemacht werden, wenn die Ziele nicht erreicht wurden. Und weil vieles ausgehandelt werden musste, verlangsamten sich die Entscheidungsprozesse.
Die Bedeutung von Führungskräften
Er selbst kennt das aus seinem eigenen Unternehmen. Dort hat man wieder Teamleiter eingeführt, die allerdings Teil des Teams sind und selbst mitarbeiten. Sein Fazit: Die Bedeutung von Führungskräften muss wieder gestärkt werden.
Wie verträgt sich das mit der Aussage eines Beraters, dass Hierarchien voller Widersprüche sind? Wenn die Verantwortung bei den Führungskräften liegt, dann entscheiden diese auch selbst. Und wundern sich anschließend, wenn die Mitarbeiter passiv und unselbstständig sind. Er meint, wer es ernst meint mit der Selbstverantwortung, der muss das Prinzip der Hierarchie selbst in Frage stellen.
Und das ist ja in der Tat kein Widerspruch. Es bedeutet: Entweder man setzt auf Hierarchie. Dann muss man auch für entsprechende Arbeitsbedingungen sorgen und kann den Führungskräften nicht zu viele Mitarbeiter zuordnen. Denn ihnen die Verantwortung für die Ergebnisse ihrer Mitarbeiter aufs Auge drücken und dann verlangen, sich nicht einzumischen und die Mitarbeiter in Ruhe arbeiten zu lassen – wie soll das funktionieren? Das hat es noch nie.
Oder aber man schafft das Prinzip ab. Und verlagert die Verantwortung tatsächlich auf die Mitarbeiter selbst. Was zu einem zusätzlichen Dilemma führt. Die meisten Unternehmen, die dies versuchen, sind ja alles andere als konsequent. Sie behalten das hierarchische Prinzip an der Unternehmensspitze bei, aber weiter unten schaffen sie es ab. Und wundern sich, wenn dann die Mitarbeiter, die für alles verantwortlich sind, sich beschweren, wenn dann doch wieder von oben durchregiert wird.
